
Wenn du etwas wirklich Gutes hast, etwas, das Menschen berühren oder ihnen helfen könnte, dann nützt es gar nichts, wenn keiner es sieht und keiner anbeißt. Also brauchst du einen Wurm an der Angel. Und der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch.
Also bin ich losgezogen und habe mich gefragt: Welche „Fische“ könnten eigentlich an meinem Stand vorbeikommen?
Ich habe einfach mal rumfantasiert. Basierend auf dem, was ich weiß, gesehen habe – und was der Weihnachtsmarkt hier auf Nordzypern so hergibt.
Diese Marktanalyse ist vollständig ausgedacht.
Und trifft vielleicht gerade deshalb erstaunlich nah an der Realität vorbei.
Oder auch nicht.
Und da habe ich mal „nachgedacht“
Es könnte sein:
Jens – Der Überraschungs-Kunstkenner wider Willen
Jens kommt an den Stand. Chris ist bei den Taschen hängen geblieben.
„Na guck mal einer an. Was hat die Dagmar denn da aufgebaut?
Ach du Scheiße… analoge Fotos.
Analog!
Die Frau ist ja komplett verrückt – im guten Sinne.
Moment… die sind ja echt schön.
Warum hängt die da nicht am Hafen? Würds da auch verkaufen, Mensch.“
Er schielt auf „Boot voraus“.
„Das würd in die Werkstatt passen.
Aber wenn die Jungs kommen, lachen die mich aus: ‚Hast du jetzt Kunst, oder wat?‘
Egal. Ist eigentlich ganz geil.
Schön.“
Er liest weiter.
„Und was’n das? ‚Bildmoment‘ …
Auweia.
Wenn meine Frau das liest, will die wieder reden.
Sag mir nicht, ich muss hier Gefühle auspacken.
Ich wollte eigentlich nur gucken…“
Sein Stirnrunzeln wird tiefer.
„Aufräum-Talk?
Hah!
Wenn die wüsste, wie’s in meinem Kopf aussieht.
Da kriegt selbst die nicht aufgeräumt.
Aber klingt wenigstens nicht nach Globuli.
Die redet wie ein Mensch. Das ist schon mal was.“
Er landet beim Durchbruch.
„Drei Sessions…
Na ja, ehrlich gesagt, ich würde mich ja freuen, wenn mir mal einer erklärt, warum ich seit zwei Jahren nichts auf die Kette kriege außer Terrasse streichen.
Scheint ja irgendwie was bei einem zu machen, die Dagmar.
Die guckt durch einen durch, ey.
Fast unheimlich.“
Dann Mediation.
„Ooooh! DAS brauch ich.
Wenn ich noch EINMAL mit meinem Nachbarn in Lapta diskutiere über die Grenzmauer, knall ich durch.
Das buch ich der Frau blind.
Die macht das bestimmt so, dass man sich nicht gleich die Köpfe einhaut.“
Er sieht die Preise.
„68 Euro?
Ey, was ist das denn für’n Preis?
Für Nordzypern?
Da nimmt ja selbst der Poolboy mehr!
Das ist ja fast geschenkt.
Die weiß gar nicht, was sie sich wert ist.
Aber gut… mein Vorteil, ne.“
Er sieht dich mit der Mütze.
„Ah! DIE bist du!
Die Löwin!
Ach DOCH – jetzt macht’s Sinn.
YouTube, klar.
Ich hab dich mal gesehen. Neustart und Fotos.
Dachte erst: Die spinnt ein bisschen.
Aber ne – eigentlich ziemlich kluge Frau.
Klartext.
Sympathisch.“
Dann entscheidet er:
„Weißte was? Ich nehm eins.
Und den Gutschein für die Mediation auch.
Irgendwer muss uns mal sortieren, sonst grab ich die Mauer komplett um.“
Wolle – Der Krachmacher mit Herz
„Moin… äh… oder was…
Was is’n DAS denn hier?
Sieh mal einer an — die Dagmar macht jetzt Kunst.
Und richtige!
Nicht so’n komisches NFT-Gedöns.“
Er beugt sich runzelnd über ein Foto.
„Moment mal…
Das is ja analog.
ALTES analog.
Mit Film.
Mit Korn.
Mit Körnung.
Ey, weißte was?
Das sieht man.
Das knistert beim Hingucken.“
Er wühlt im Stand wie in einem Werkzeugkoffer.
„Sag mal, Dagmar… was kostet das?
…
WAS?! 68 Euro???
Mädel, du bist doch bescheuert!
Das ist ja billiger als ein Wasserhahn!
Die Leute hier geben 180 Euro für’n Gin aus, der nach Sauna schmeckt,
aber für ein ordentliches Bild überlegen sie drei Tage.
Unfassbar.“
Er liest weiter.
„Bildmoment…
Na toll, jetzt geht das wieder los.
Frauenkram… Gefühlskrempel.
Aber irgendwie…
macht das was.
Scheiße. Ich guck lieber weg.“
Dann Aufräum-Talk.
„Wenn du meinen Schuppen sehen würdest…
aber du meinst ja die Birne.
Da sieht’s schlimmer aus.“
Dann Mediation.
„JAAAAA!
Das ist es!
Wenn mein Nachbar noch EINMAL seine Flex um sechs Uhr anmacht,
betonier ich sie ihm in den Pool ein!
Kannste da mal was machen?
Du bist genau der Typ dafür.“
Er mustert dich.
„Ach DU bist das… YouTube.
Online sahst du kleiner aus.
Aber das sag ich nicht laut.“
Er zückt das Portemonnaie.
„Ich nehm ein Bild.
Und den Gutschein für die Mediation.
Wird ’n Spaß.“
Das Ehepaar – Urlaubsmodus trifft Realität
Sie kommen gemeinsam, aber in zwei Geschwindigkeiten.
Sie zieht, er trottet.
Beide sehen aus wie:
„Wir wollten Sonne, bekamen Bürokratie.“
Sie bleibt stehen.
„Schatz! Guck mal! Das ist ja wunderschön!“
Er, desinteressiert:
„Ja, ja… schön.“
Sie:
„Du guckst nicht richtig!“
Er:
„ICH gucke. Immer.“
Sie zeigt ein Bild.
„Das würde super ins Wohnzimmer passen!“
Er:
„In unser Wohnzimmer passt nix mehr.
Du hast die Tintenfischlampe gekauft.
Ich die LED-Puffbeleuchtung.“
Du bleibst Mensch.
Sie liest dein Angebotsblatt.
„Oh! Coaching!“
Er:
„Neeein.
Nicht schon wieder Coaching.“
Sie:
„Nur ein Gespräch…“
Er:
„Wenn ich Ärger habe, gehe ich zu Gesprächen.“
Sie rollt mit den Augen.
Dann bleibt sie beim Aufräum-Talk.
„Das könnten wir machen.“
Er:
„Ich räum schon die Terrasse wegen der Katzen!“
Sie:
„Das ist innerlich!“
Er:
„Ich BIN nicht innerlich.“
Du beißt dir fast in die Lippe.
Beim Durchbruch:
„Drei Sitzungen?
Ich will meinen Urlaub genießen.“
Sie:
„Wir wohnen hier!“
Er:
„Dann will ich wohnen, nicht therapieren.“
Er sieht Mediation.
„Das brauch ICH.“
Sie:
„WIR!“
Er:
„Nee! Ich!
Damit ich dir sagen kann, dass wir nicht jeden Tag drei Projekte starten!“
Sie:
„Dann SAG es!“
Er:
„Sag ich bei ihr. Da hörst du vielleicht mal zu.“
Sie:
„Dagmar, wann hast du Zeit?“
Er:
„Heute?! Ich wollte grillen!“
Du:
„Wir können erstmal reden.“
Beide gleichzeitig:
„Ja.“
„Nein.“
Du atmest.
„Ich mach einen Termin.“
Er:
„Natürlich…“
Der „In-Deutschland-war-alles-besser“-Harald
Harald kommt nicht einfach an deinen Stand.
Er marschiert.
So wie jemand, der sicher ist, dass der Boden unter ihm gefälligst DIN-4102-geprüft sein sollte.
Seine Frau — Marion — folgt in dem Abstand, den deutsche Ehefrauen automatisch einhalten,
wenn sie seit 30 Jahren wissen:
Harald redet immer zuerst. Egal wo.
Er schaut nicht nach links.
Nicht nach rechts.
Er scannt.
Panoramamodus wie ein Ex-Zollbeamter. Aber hier ist ja alles ganz anders.
Zumindestens Sonne.
Dann bleibt er abrupt stehen.
„Aha.
Ein Stand.“
(Nichts entgeht seinen Adleraugen.)
Marion:
„Harald… das sind Fotos.“
Harald:
„Ja. DAT seh ich. Ich hab Augen im Kopp.“
Er tritt näher.
Lehnt sich drüber.
Schnüffelt fast am Bild, weil seine Lesebrille natürlich wieder im Auto liegt.
„Analog?!
Das machen die hier?
Also… Respekt.
In Deutschland war das früher Standard.
Heutzutage machen die ja nur noch diesen… diesen…
Instagram-Schrott.“
Marion:
„Harald… schau doch mal, wie schön das ist!“
Harald ignoriert das.
Er zeigt auf „Boot voraus“.
„Ja, das Boot.
Wenn das MEINS wär, wäre das schon längst neu lackiert.
Hier auf der Insel… die lassen ja alles vergammeln.
In Deutschland… also… da wär das ordentlich.“
Du sagst freundlich:
„Es erzählt eine Geschichte.“
Harald richtet sich auf wie ein Leuchtturm im Testlauf.
„Geschichte?
Also ich sag mal so…
die Deutschen hier erzählen sich viele Geschichten.
Aber arbeiten tut kaum einer. Zumindesstens von den Einheimischen.
Die sitzen alle im Café.
Schönen Latte Macchiato trinken.
Da krieg ich ja Plack!“
Marion schaut dich entschuldigend an.
Du weißt:
Sie versucht seit 20 Jahren, Haralds Meinung mit Yoga, Globuli und Wegatmen zu neutralisieren. Und hier, wo alles anders sein sollte noch mit Granatapfelsaft.
Ohne Erfolg.
Harald tippt auf dein Angebotsblatt.
„Coaching?!
Hier?!
Also, ich sag mal:
In Deutschland… da hab ich sowas nie gebraucht.
Wenn ich Probleme hatte, hab ich die GELÖST.
Mit Logik.
Und ’nem Schraubenzieher.“
Marion (flüsternd):
„Oder mit Geschrei…“
Harald hört’s.
„Ich SCHREI nicht!
Ich rede DEUTLICH!“
Dann liest er weiter:
„Aufräum-Talk.
Aha.
Kann ich!
Ich hab zu Hause vier Ordner.
Alle farblich sortiert.
Da kann sich mancher hier mal ’ne Scheibe abschneiden.“
Marion rollt die Augen so hart, dass man’s fast klacken hört.
Dann Haralds persönlicher Waterloo-Moment:
Er blieb an Mediation hängen.
Er verengt die Augen wie jemand, der plötzlich ahnt, dass das Universum ihn direkt anspricht.
„Mediation…
Also ich sag mal so…
Es GIBT Dinge, über die könnte man mal sprechen.“
Marion:
„Sag EIN Beispiel, Harald.“
Harald:
„Ja, zum Beispiel…
dass du IMMER sagst, ich wäre negativ!
Ich bin NICHT negativ!
Ich bin REALISTISCH!
Früher in Deutschland…“
Marion:
„In Deutschland, Harald, hattest du auch schon schlechte Laune.“
Harald:
„Das stimmt doch gar nich!
Da war alles ORDNUNG!
Und die Luft war besser!
Und der Müll wurde abgeholt!“
Dann — ganz leise —
der Satz, der alles sagt:
„Vielleicht…
könnten WIR das ja mal machen…
so’n Gespräch…“
Marion fällt fast in Ohnmacht vor Überraschung.
„WIR??
Harald… wirklich?“
Harald räuspert sich.
Kämmt mit der Hand imaginär seine Haare.
„Ja.
Aber nur, damit du mal hörst, dass ich NICHT negativ bin.
Das ist die einzige Wahrheit hier.“
Du lächelst.
Marion lächelt.
Harald überlegt kurz, ob Lächeln auch in Deutschland erlaubt war.
Dann sagt er:
„Ich nehm das Boot mit.
Und die Mediation.
Aber nicht, weil ich’s BRAUCH —
sondern weil ich gern vorbereitet bin.“
Und Marion denkt:
Danke, Dagmar. Endlich hat mal jemand eine TÜV-Plakette für seine Seele gefunden.
Rose („Ich mach ja auch was“) – Speicher voller Frequenzen
Sie schlurft zum Stand.
Barfuß.
Klangschale.
Energiesuppe.
Sie nimmt ein Bild.
„Ooooh mein Goooott… Dagmar… dein Feld ist so stark… das Foto VIBRIERT… da ist Ahnenenergie…“
Du:
„Das ist eine Palme.“
Sie nickt tief.
„Jaaa… Übergangsbäume! Zwischen den Dimensionen!“
Sie sieht dein Angebotsblatt.
„Aufräum-Talk… jaaa, kenne ich…
Ich mach sowas auch.
Mit transgalaktischen Ahnencodes.
Aber du bist gut geerdet.“
Du:
„Mediation?“
Sie:
„Ja, ja, hab ich früher gemacht, bevor meine Frequenz zu hoch wurde.“
Sie liest weiter.
„Durchbruch… schön… aber ich biete sowas ja auch an… also anders… eigentlich besser… na ja… du weißt schon…“
Dann kommt der finale Test:
„68 Euro??
Ohhh… das Universum TESTET mich.
Ich bin im Loslass-Prozess.
Ehrlich: Du solltest mir das Bild schenken.
Als Zeichen.“
Du denkst:
Gott steh mir bei.
Saskia & Tine – Die Kicherfreundinnen
Man hört sie, bevor man sie sieht.
„Hihihihihiii… NEEEIIIIN… DOOOCH!“
Zwei Flamingos im Paartanz.
Saskia greift wie früher Bravo-Poster.
„Guck mal Tiiiine… das ist sooo schööön… das WILL ich!“
Tine analysiert, ohne etwas zu erkennen.
„Ja also… ja also… ja also… das hat DEFINITIV was!“
Sie finden dein Angebotsblatt.
Saskia:
„AUF-RÄUM-TALK… TINE… das wäre was für AAAAANDREEEAAAS!!“
Tine bricht fast zusammen.
„Jaaaa! Andreas räumt GAR NICHT auf! Nicht mal INNERLICH!“
Dann tiefe Erkenntnis (1 cm tief):
„Eigentlich könnten wir das ja auch machen… als Freundinnen-Ding… innere Ordnung und so.“
Tine:
„ICH brauche das nicht. Ich bin geordnet.“
(Du weißt: Nein.)
Beim Durchbruch:
„UFFFF! Drei Sitzungen?! So viel durchbrechen wir nicht.“
Mediation:
„Tine… das ist was für deinen Mann!“
Tine wirft einen Blick, der töten könnte.
Dann Saskia, verschwörerisch laut:
„Dagmar… also… ich finde das soooo toll… SOOO toll… das ist voll… SEELENZEUG!“
Sie kaufen ein Bild.
Mit Kleingeld.
Falsch gezählt.
Dreimal.
Du lässt es durchgehen.
Sie gehen Arm in Arm.
„Tine… wir gehen MORGEN nochmal hin! Vielleicht hat sie dann andere Bilder!“
Das Überforderungs-Pärchen – „Sonne ist toll, ABER…“
Sie kommen nicht an deinen Stand —
sie schwappen daran vorbei.
Wie zwei Menschen, die seit drei Monaten versuchen, in einem fremden Land „anzukommen“,
obwohl sie eigentlich erst mal in sich selbst ankommen müssten.
Er heißt Ralf.
Sie heißt Birgit.
Beide Mitte 50.
Beide eigentlich lieb.
Beide eigentlich überfordert.
Aber keiner sagt’s laut,
weil „wir haben das doch entschieden“.
Ralf trägt Sandalen mit Socken.
Keine Ironie.
Er weiß es nicht besser.
Er dachte, das wäre mediterran.
Birgit trägt einen dieser Hüte, die aussehen wie:
„Ich bin offen für alles, aber bitte nicht zu viel Sonne, zu viel Staub, zu viel Veränderung.“
Sie bleiben stehen — nicht, weil etwas sie interessiert,
sondern weil sie nicht wissen,
ob sie hier rechts, links oder einfach wieder nach Hause gehen sollen.
Birgit:
„Ralf… guck mal, Fotos.“
Ralf:
„Ja… Fotos.“
(sagt es wie jemand, der eigentlich „Matratzenabteilung“ sagen wollte)
Birgit beugt sich nach vorne.
Zwei Zentimeter zu weit.
Sie hat Angst, die Bilder zu berühren,
weil sie neulich schon im Supermarkt eine Melone aus Versehen fallen ließ.
Seitdem ist ihr Vertrauen in ihre Feinmotorik erschüttert.
„Das ist aber schön… so ruhig…“, sagt sie.
Ralf guckt.
Aber nicht auf das Bild.
Ralf guckt auf alles gleichzeitig, weil er versucht, die Realität zu sortieren.
Seine Augen machen Windows-95-Geräusche.
„Ja… schön… aber… äh… wo hängt man sowas hin?“
Birgit:
„Ralf… man spürt doch… dass das was macht.“
Ralf:
„Birgit… ich spür schon lange nix mehr. Ich hab Sonnenbrand auf den Schienbeinen.“
Du lächelst.
Weil du die beiden kennst,
obwohl du sie noch nie gesehen hast.
Birgit liest dein Angebotsblatt.
Ihr Finger fährt drüber wie ein vorsichtiger Mausklick.
„Aufräum-Talk…
das klingt…
äh…
hilfreich…“
Ralf:
„Nein.
Auf keinen Fall.
Wir haben doch gerade alles aufgeräumt!
Die Schränke sind voll, aber aufgeräumt!“
Birgit:
„Innerlich, Ralf… innerlich.“
Ralf:
„Innerlich sind wir auch voll.“
Du atmest.
Tieeeeef.
Birgit kommt beim Durchbruchspaket an.
Ihr Mund macht ein ganz kleines „Oh“.
Ein Hoffnungsoh.
Ein „ich darf das nicht zu laut denken“-Oh.
Ralf:
„Drei Sitzungen?!
Birgit… wir haben doch gar keine Zeit!
Wir müssen doch den Elektriker nochmal wegen der Steckdose anrufen!“
Birgit:
„Ralf… du brauchst das.“
Ralf:
„Ich?!
Was soll ich denn da erzählen?
Dass ich jeden Tag denke: ‚Warum sind wir eigentlich hier?‘
Das sag ich doch schon!“
Birgit schaut ihn an.
Lange.
Etwas zu lange.
Ein Blick zwischen
„Ich liebe dich“
und
„Ich würde dich gerne in die Kiste mit den Weihnachtsdeko-Lichtern sperren, nur 10 Minuten.“
Ralf sieht’s.
„Birgit…
willst du DAS buchen?“
Birgit:
„Ich weiß nicht.“
Ralf:
„Doch. Du weißt es.“
Du trittst einen halben Schritt näher.
Nur mit der Präsenz.
Du sagst:
„Manchmal überfordert uns ein Ort nur da, wo uns das Leben schon längst vorher überfordert hat.“
Beide frieren ein.
So ein kleiner, stiller Eiswürfel-Moment.
Denn beide wissen:
Es stimmt.
Unangenehm stimmt.
Birgit:
„Ralf… ich…
ich glaube, wir machen das mal.“
Ralf:
„Ja… meinetwegen.
Aber danach essen wir was.“
Birgit:
„Deal.“
Sie gehen weiter.
Etwas leichter.
Etwas leiser.
Etwas echter.
Und du denkst:
Manchmal ist Nordzypern nur der Spiegel.
Und manchmal ist man selbst das, was man aufräumen muss.
Barbara – Die Leise, die bleibt
Sie kommt nicht, sie tritt auch nicht ein —
sie sickert.
Der Blick: „Ich guck nur.“
Die Haltung: „Ich funktioniere.“
Die Energie: „Ich bin müde.“
Sie sieht ein ruhiges Bild.
„Oh… das ist aber schön…“
Und dann sofort:
„Das wäre was für meine Tochter.“
Du lächelst.
Sie merkt, dass du etwas merkst.
Sie redet vom Fliegen zu den Enkeln,
vom Ballett,
von Wutanfällen,
von ihrem Funktionsleben.
Dann sieht sie dein Angebotsblatt.
Ihr Kopf beginnt leise zu flackern.
„Aufräum-Talk… aha…
Also… ich bin ja eigentlich sortiert…
Also meistens…
Also wenn ich Zeit habe…
Was selten ist.“
Ein müdes Lächeln.
Du kennst es.
Sie landet beim Durchbruchspaket.
Es trifft sie.
Hinten, im Brustbein.
Sie schiebt das Blatt weg.
Geht.
Dreht um.
Kommt wieder.
„Dagmar… dieses Bild…
es lässt mich nicht los.“
Du:
„Dann will es vielleicht mit dir reden.“
Sie atmet tief.
Zum ersten Mal.
„Ich kauf’s. Für meine Tochter.“
Ihr Mund sagt Tochter.
Ihr Körper sagt: für mich.
Sie nimmt es mit.
Und du weißt:
Die kommt zurück.

Ihr seid genial, du und dein spezieller Freund 🥂💎