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Ohne Strandaufsicht

geht’s auch

Eine Herbstgeschichte aus Nordzypern

Es ist Oktober. Die Saison ist vorbei. Der offizielle Strandwächter ist verschwunden.

Ob er im Ernstfall jemanden hätte retten können? Ich weiß es nicht. Einen Rettungsring hatte er jedenfalls nicht.

Aber das Meer ist noch warm, die Sonne scheint und zwei Männer haben einen Riesenspaß mit ihren Stand-up-Paddling-Boards.

Nur eines fehlt: die Strandaufsicht.

Also beschließen die beiden, einen neuen Strandwächter einzustellen.

Ein Stock wird in den Sand gesteckt, ein Stein als Kopf daraufgesetzt. Fertig.

Na ja, fast.

Der Kopf wackelt. Also muss Sand zur Befestigung her. Dann stimmt der Standort nicht. Der neue Strandwächter wird versetzt. Erst näher ans Wasser, dann wieder zurück.

Die Steine werden neu angeordnet. Auch die Frisur entspricht offenbar noch nicht den Anforderungen.

Während der eine Mann wieder aufs Wasser geht, arbeitet der andere unermüdlich an seinem neuen Kollegen.

Schließlich steht er da.

Kerzengerade. Schweigsam. Mit freiem Blick aufs Meer.

Die Strandaufsicht ist wieder besetzt.

Aber eine Frage bleibt:

Kann dieser Strandwächter im Notfall überhaupt jemanden retten?

Fragen wir die KI.

KI: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Anwesenheit eines Strandwächters einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Badegäste leistet. Seine Aufgaben umfassen die Beobachtung des Badebetriebs, das frühzeitige Erkennen möglicher Gefahren und gegebenenfalls die Einleitung geeigneter Rettungsmaßnahmen.“

„Ja, aber der kann doch gar nicht ins Wasser!“

KI: „Sollte der zuständige Strandwächter aufgrund körperlicher oder technischer Einschränkungen nicht in der Lage sein, eine Rettung selbst durchzuführen, ist die dafür vorgesehene Vertretung hinzuzuziehen.“

„Und wo ist die?“

KI: „Bitte wenden Sie sich an die zuständige Stelle.“

„Welche zuständige Stelle?“

KI: „Die Strandaufsicht ist seit Oktober geschlossen. Bitte wenden Sie sich an die Vertretung.“

„UND WO IST DIE???“

Foto: Der leere, zerfledderte Stuhl am Strand.


Und ich?

Ich hatte mal wieder kein Board dabei.

Aber ich habe einen der beiden Männer gefragt, ob ich seines ausprobieren darf.

Ich durfte.

Und dann habe ich es tatsächlich geschafft, darauf zu stehen.

Eine ganze Minute!

Ganz ohne Strandaufsicht.

Die übernahm ich für mich.

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