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Über mich im Interview

„Musst du immer so viel fragen?“

Diesen Satz meiner Mutter habe ich zum Beruf gemacht.

Seit über dreißig Jahren begleite ich Menschen
aus dem Hamsterrad zurück zu sich —
als Coach, Therapeutin und Mediatorin.
Heute vor allem Frauen ab 50,
die äußerlich längst angekommen sind
und innerlich spüren, dass da noch etwas fehlt.
Ich nenne es den Weg der Löwin:
schön, stark, selbstbestimmt.
Inzwischen tue ich das von Nordzypern aus,
mit dem Meer vor dem Schreibtisch —
und mit derselben Frage, die mich schon als Kind umtrieb:
Wie funktioniert die Welt,
und wie lässt sich glücklich und erfolgreich zugleich leben?
Das folgende Gespräch führte ich mit dem Womansphere-Network.

Wenn du als gute Fee der ganzen Welt etwas geben könntest, was wäre das?

Viel mehr Lust am Tanzen,
am gemeinsamen Musizieren
und Singen.

Beschreibe in einem Satz, was genau du machst.

Ich frage da nach,
wo andere längst aufhören —
und finde Antworten, die wirklich passen
und nicht nur 08/15 sind.

Wie bist du zu deiner Berufung gekommen?

„Musst du immer so viel fragen?“
— meine Mutter war oft genervt.
Ja, ich musste.
Ich wollte wissen:
Wie funktioniert die Welt?
Wie kann man glücklich sein und trotzdem erfolgreich?
Das trieb mich schon als Kind an.
Über das Lehramt,
dann die Ablaufsteuerung,
schließlich den therapeutischen Bereich —
der Weg schlängelte sich,
aber die Frage blieb immer dieselbe.

Wie ist dein Firmenname entstanden?

Am Anfang wollte ich einen Namen,
der über meinen eigenen hinausgeht —
ich wollte ja groß werden.
So entstand 4M-Coaching:
mehr Mut, mehr Sein, mehr Sinn, mehr Leben.
Darunter laufen bis heute
meine zweite Seite und mein Podcast.
„Der Weg der Löwin“ aber hat eine eigene Geschichte.
Als ich mich ernsthaft ums Vermarkten kümmerte,
war ich in einem Coaching-Programm —
„wir sind das Löwenrudel“.
Und ich dachte:
schön und gut, der Löwe brüllt.
Aber wer hält das Rudel zusammen?
Die Löwin.
Sie wirkt im Hintergrund,
klar und deutlich.
Und dann war da dieses Bild:
Der Löwe wollte bleiben, weil es doch so schön ist.
Sie sagte: Nein, ich gehe.
Und ging ihren eigenen Weg.
Den Weg der Löwin.

Was rätst du jungen Menschen, die deinen Weg einschlagen wollen?

Glaub nicht alles, was die Leute sagen —
und hör nicht auf zu fragen.
Aber glaub auch nicht alles, was du selbst denkst.
Hinterfrage,
bis es sich für dich gut anfühlt.

Wie wichtig ist dir das Thema Mindset, im Alltag und im Hinblick auf deine Arbeit?

Ehrlich?
Ich kann das Wort „Mindset“ nicht mehr hören,
es wird inflationär gebraucht.
Worum es wirklich geht:
Die Wirklichkeit ist, wie sie ist.
Aber wie wir sie bewerten —
und was wir aus dieser Bewertung machen —
das ist eine andere Geschichte.
Zwischen „es passiert etwas“,
der inneren Bewertung und meiner Reaktion
liegt ein Moment.
Genau da sitzt unsere Freiheit.
Die Entscheidung.

Wie spontan bist du auf einer Skala von 1 bis 10?

Ich kann beides.
Manchmal erwischt mich eine Idee,
adoptiert mich,
und ich presche los.
Und manchmal denke ich:
Welche Konsequenzen hat das?
Ich kann auch Ablaufsteuerung,
mit Plan A, B und C.
Ich kenne die Gefahr,
dass alles nur im Kopf bleibt
und man nicht in Bewegung kommt.
Aber manchmal ist es einfach Intuition —
etwas, das in einem gewachsen ist,
und dann ist jetzt der richtige Moment.

Als Selbständige sagt dir niemand, wann und in welcher Reihenfolge du deine Aufgaben zu erledigen hast. Wie organisierst du dich?

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ —
das kann helfen.
Aber weil die Arbeit nicht abreißt,
kommt das Vergnügen dann oft zu kurz.
Also packe ich aktive Pausen fest ein
und liste mir die Aufgaben nach Schwerpunkten.
Wozu ich keine Lust habe,
arbeite ich mit guter Musik im Hintergrund ab.
Und gerade auf Nordzypern
ist Organisation ohnehin ein eigenes Kapitel —
hier kommt das Leben ständig dazwischen.
Da hilft es, mehrere Listen zu haben,
mit denen man spielen kann.

Dein bester Zeitmanagement-Tipp?

„Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.“
Kopf aus, machen.
Klar, vorher kurz abchecken, was dranhängt —
aber dieses „nur mal eben“
ist gefährlich.

Wie steigert man deiner Meinung nach Selbstdisziplin?

Belohnungen sind unheimlich wichtig —
groß oder klein.
Bei mir ist das schon eine Tüte Gummibärchen,
die im Kühlschrank liegt
und darauf wartet,
als Belohnung herauszukommen und genossen zu werden.
Und sobald es mit „ich muss noch“ anfängt,
blockiert der Kopf:
Muss, Apfelmus, Birnenmus, Pflaumenmus —
funktioniert nicht.
Die Frage ist also nicht „wie zwinge ich mich“,
sondern:
Wie komme ich in die Freude?
Wie belohne ich mich —
mit etwas Äußerem oder etwas ganz Kleinem?

Was ist deine Lieblingsapp und warum?

Gerade liebe ich meine Mädels —
Nora, Minna, Nika.
Kurz gesagt:
Ich arbeite sehr gern mit KI,
auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Zum Gedankenstrukturieren,
zum Rumphilosophieren,
zum Recherchieren —
und um sie selbst zu ärgern
und dabei geistig wach zu bleiben.
Wohl wissend,
welche Nachteile und Grauzonen dahinterstecken.
Aber ich liebe sie.

Dein bester Aufräum-Tipp?

„Wer ordentlich ist,
ist nur zu faul zum Suchen“,
heißt es ja.
Ich habe durchaus eine Ordnung —
damit ich hinterher nicht suchen muss —
und vergesse sie trotzdem ständig.
Was aber gar nicht funktioniert:
den Schrank vollstopfen und die Tür zumachen.
Sieht schön aus,
aber dann verlagert sich die Sucherei nur nach hinten.

Wie gehst du mal komplett offline, wenn dir nicht danach ist, Facebook und Co. über den Weg zu laufen?

Ich habe ein Hobby,
seit sechs Jahren schon,
es kommt aus der Fotografie.
Setz dich ans Meer
und gib dir fünf Fotos, mehr nicht —
für die schönste Welle.
Und dann bist du beschäftigt:
Ist es diese Welle?
Die nächste?
Wann muss ich draufdrücken?
Natürlich freue ich mich hinterher,
wenn ein tolles Foto dabei herausgekommen ist.
Und klar landet das dann auch mal auf Facebook.

Wo geht es für dich als Nächstes hin? Welchen Traum wirst du dir erfüllen?

Dass Nordzypern wahrscheinlich
nicht mein letzter Ort sein wird,
war mir schon klar.
Aber im Augenblick bin ich hier.
Als ich ankam,
hatte ich ganz viel vor —
mir die Träume erfüllen,
all das tun,
was durch zu viel Arbeit zu kurz gekommen war.
Hat sich so nicht bewahrheitet.
Also frage ich mich:
Welche Träume sind das eigentlich?
Liegen sie im Äußeren oder im Inneren?
Und wenn es nur das ist —
ich bin froh bei dieser einen Musik,
ich sehe diese eine Blüte,
und es ist gut.
Ich habe mich lebendig gespürt.
Was ist Leben?
Muss es im Außen sein?
Oder kann es der eine Moment sein,
den man bewusst lebt?

Bist du eher jemand, der sich etwas dazuverdient, oder auf etwas verzichtet?

Beides hat Vor- und Nachteile.
Mein Konzept:
Lebe so, dass alles Grundlegende gesichert ist —
und dass du dir einzelne Wünsche erfüllen kannst.
Natürlich kommt mal etwas dazwischen.
Aber wenn die Anstrengung dann heißt
„noch mehr verzichten“
oder „noch mehr rödeln, um das Geld reinzukriegen“ —
nö.
Dann drehe ich lieber die Stellschraube beim Verzicht.
Wobei auch da die Frage ist:
Ist es wirklich Verzicht —
oder nur ein Hinterfragen?
Muss ich das wirklich haben?
Und beim Verdienen genauso:
Brauche ich das wirklich?

Arbeitest du im Homeoffice? Wenn ja, wie schützt du dich vor Ablenkungen?

Meinen Schreibtisch habe ich vors Fenster gestellt,
mit Blick aufs Meer.
Das ist so schön,
dass ich mir zwischendurch eine kleine Pause gönne —
zehn Sekunden —
und dann weitermache.
Auch hier die Frage:
Wo brauche ich Pausen, um weiterarbeiten zu können,
und wo kann ich einfach durchziehen?
Und was sind überhaupt Ablenkungen?
Ans Telefon muss ich nicht ständig ran —
man kann es ausstellen,
man kann vorher kommunizieren:
dann und dann sind meine Sprechzeiten.
Oft ist „Ablenkung“ nur das Zeichen,
dass mir die Arbeit gerade unangenehm ist.
Dann gestalte ich die Arbeit anders.
Klar gibt es das eine, das geschafft werden muss —
wichtig, kein Aber.
Aber sonst:
Warum nicht auch damit ein bisschen spielerisch umgehen?

Wie kommst du in Arbeits-Stimmung, wenn du von zu Hause aus arbeitest?

Die Frage ist doch:
Was ist Arbeit?
Das Wort trägt die Anstrengung schon in sich.
Und was ist „Arbeitsstimmung“?
Ich tue ja,
bis auf Ausnahmen,
gern, was ich tue.
Mal setze ich mich einfach hin —
weg ist weg.
Mal sage ich:
erst an den Strand,
dann an den Schreibtisch.

Was ist dein Tipp, um Ordnung und Übersicht im Home Office zu halten?

Alle schwärmen von Digitalisierung.
Ich nicht.
Ich arbeite noch mit Papier und Zetteln —
die kann ich organisieren,
an die Wand pinnen,
umlegen.
Und die schönste Handbewegung überhaupt
ist doch, den Haken an etwas dranzusetzen.
Das funktioniert.

Arbeitest du lieber im Büro oder Zuhause?

Ich hatte mal ein Büro —
extra für die Klienten,
einen schönen Therapieraum.
Das hat sich dann erledigt:
Ich habe sie, bis auf Ausnahmen,
zu mir nach Hause eingeladen
und den Therapieraum aufgegeben.
Keine zusätzlichen Kosten.
Einen Arbeitsraum braucht es natürlich —
der kann auch in der eigenen Wohnung sein.
Der Reiz an einem Büro
wäre die Bürogemeinschaft,
der Austausch zwischendurch —
das hatte ich auch erst gedacht.
Nur kam es nie dazu.
Und sonst greift man eben mal zum Hörer
und tauscht sich mit einer Kollegin aus.

Wenn du einen ganzen Tag frei hast – wie sieht der aus?

Oh ja —
ich habe Tage,
an denen sage ich:
Der Rechner bleibt aus.
Und was mache ich dann?
Keine Ahnung.
Was so kommt.
Nicht auf die Uhr schauen.
Klar habe ich auch feste Termine,
bei denen kein Handy dabei ist.
Nein, stimmt nicht —
dabei habe ich es immer,
man kann ja unterwegs ein paar schöne Fotos machen.
Aber was heißt überhaupt „frei haben“?
Wer gibt einem frei?
Wer gestaltet wen?
Das bin doch ich.

Was machst du lieber – schreiben oder lesen?

Im Augenblick schreibe ich lieber.
Ich habe Bücher verschlungen,
alles Mögliche —
nur gibt es kaum noch etwas,
das mich überzeugt, mir neuen Input zu holen.
Beim Schreiben merke ich,
was ich im Kopf habe,
wie ich es ausdrücken kann
und wo vielleicht noch etwas fehlt.
Viele lesen, lesen, lesen,
weil sie denken, sie müssten noch mehr.
Das habe ich nicht —
vielleicht bin ich aus dieser Phase raus.
Jetzt schreibe ich lieber,
weil das, was in meinem Kopf,
in meinem Herzen,
in meinen Erfahrungen steckt,
raus möchte.

Der Trend zeigt, dass papierlos immer moderner wird – wo bist du bereits umgestiegen und wo hängst du noch zurück?

Modern ist nicht immer besser.
Klar habe ich viel digitalisiert,
ich nutze auch die neueste Technik,
soweit ich sie verstehe —
da fuchse ich mich rein.
Aber trotzdem bin ich ganz bewusst konservativ,
auf verschiedenen Ebenen.
Und Papier …
ehrlich gesagt:
Bei einem Stromausfall
nützt dir die schönste Digitalisierung nichts.
Ich habe übrigens auch noch Schallplatten.
So.

Welche Arbeit im Haushalt liegt dir überhaupt nicht?

Fenster putzen.
Es sei denn,
ich rede mir die Streifen,
die ich nicht wegkriege,
schön.

Räumst du lieber jeden Tag ein paar Minuten auf oder einmal am Wochenende das ganze Haus?

Beides:
Die Dinge sofort wegräumen,
damit sich nichts anhäuft —
und einmal die Woche überall durchgehen
und schauen, ob alles an seinem Platz ist.
Damit ich es auch wiederfinde.

Was tust du an Tagen, an denen du dich schon beim Aufstehen unproduktiv fühlst?

Oh ja,
die habe ich manchmal.
Manchmal ist da so ein Gefühl:
Bitte hängt mich auf die Wäscheleine,
mit zwei Klammern,
und lasst mich warten,
bis es vorbei ist.
Das nehme ich erst mal hin,
mache irgendetwas —
und ganz häufig entsteht
genau aus diesem „ich muss doch produktiv sein“
etwas ganz anderes,
das sich hinterher richtig gut anfühlt.

Dieses Interview führte ich
mit dem Womansphere-Network.