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Singlefrau: statistisch, ja. Sozial, nein danke

Single Frau auf Mauer allein

Über das Alleinsein als Frau – und über die Stacheldrähte der anderen

Ich lebe seit über zwanzig Jahren als Single.

Nicht aus Überzeugung.
Nicht, weil ich grundsätzlich gegen Beziehung bin.
Nicht, weil ich nie Nähe wollte.
Und auch nicht, weil ich heimlich darauf warte, dass endlich der eine Mann vom Himmel fällt und alles gut macht.

So einfach ist es nicht.

Wenn ich ehrlich bin, fing dieses Thema schon viel früher an. Eigentlich schon als Jugendliche. Da war früh dieses dumpfe Gefühl da: Ein Mädchen sollte einen Freund haben. Sonst stimmt etwas nicht. Sonst ist sie komisch. Sonst fragen die anderen vielleicht nicht laut, aber sie denken es. Jedenfalls dachte ich das damals.

Also habe ich es ernsthaft versucht. Es funktionierte nicht. Oder besser gesagt: Es funktionierte nie so, dass ich mich darin hätte wiederfinden können.

Später habe ich lange Beziehungen mit Frauen gelebt, auch weil ich diese klassischen Rollenzumutungen mit Männern nicht wollte. Danach gab es Affären mit Männern. Und was mich daran immer wieder erstaunt hat: Am Anfang wirkten einige ganz anders. Freier. Bewusster. Besser. Zumindest schien es so.

Und trotzdem tauchten am Ende oft ähnliche Muster wieder auf. Nicht immer dieselben Männer, nicht dieselbe Geschichte – aber etwas darunter war verwandt.

Irgendwann dachte ich: Vielleicht suche ich mir die Falschen aus. Vielleicht ist in mir selbst etwas, das immer wieder in dieselbe Richtung zieht. Also blieb ich erstmal allein. Nicht verbittert, eher offen. So nach dem Motto: Wenn mir etwas Gutes über die Füße läuft, schön. Es lief mir nicht über die Füße.

Ich habe mir mein Leben dann trotzdem gebaut. In Hamburg ging das ganz gut. Nicht immer leicht, aber es ging. Wobei auch dort oft diese merkwürdige Erwartung im Raum stand, dass man bei bestimmten Gelegenheiten bitte im Paarbild erscheint.

Ich hatte sogar eine Art Ersatzpartner. Er war schwul, ich war seine Vorzeigefrau, er mein Vorzeigemann. Wir waren ein traumhaftes Paar, wenn ein Paar verlangt war. Das war bitterkomisch, aber es funktionierte.

Und dann bin ich nach Nordzypern ausgewandert.

Nicht blind. Nicht romantisch. Ich hatte vorher recherchiert, wie es ist, als Frau allein zu leben. In Deutschland hatte ich mich als Frau allein nicht mehr wohlgefühlt. Das hatte verschiedene Gründe. Einer davon war, dass sich gesellschaftlich etwas verschoben hatte, was ich als frauenfeindlich erlebt habe – nicht immer offen, aber spürbar.

Also ging ich.

Und hier angekommen merkte ich natürlich schnell: Auch hier gibt es Rollenbilder, zum Teil sehr deutlich. Mediterrane Strukturen verschwinden ja nicht einfach deshalb, weil das Meer schön ist. Trotzdem fühlte ich mich hier zunächst sicherer.

Was ich nicht erwartet hatte, war etwas anderes.

Nicht so sehr die Männer. Dass man angebaggert wird, dass verheiratete Männer trotzdem denken, man könnte vielleicht noch – geschenkt. Unangenehm, unerquicklich, aber nichts, was ich nicht einordnen könnte.

Schade war eher etwas anderes: dass mit manchen Männern gute Gespräche plötzlich zusammenfielen, sobald in deren Kopf der Schalter umgelegt war und das Ganze in die Hose rutschte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was vorher Gespräch, Interesse, Austausch war, sackte dann nach unten ab. Kontakt zu Zyprioten im freundschaftlichen Sinn ist dadurch kaum entstanden. Zu Frauen auch nur begrenzt.

Also dachte ich: Gut, dann eben über die Menschen hier in der Anlage, über andere Auswanderer, über Engländer, Deutsche, was auch immer. Es wird sich schon ein Bekanntenkreis finden. Ein paar Freundschaften. Eine gute Freundin. Irgendetwas in der Art.

Genau das geschah nicht.

Und das ist der Punkt, an dem dieser Text anfängt.

Nicht allein – sondern nicht mitgedacht

Denn mein Thema ist nicht: Ich bin allein, weil mir ein Mann fehlt.

Mein Thema ist auch nicht: Ich suche verzweifelt Partnerschaft.

Mein Thema ist: Wie lebt es sich als alleinstehende Frau in einer Welt, die so tut, als sei sie offen – und einen dann trotzdem immer wieder nicht mitdenkt?

Ich rede von etwas sehr Konkretem. Vom Nicht-Eingeladenwerden. Vom Nicht-Mitgedachtwerden. Von diesem höflichen, glatten, kaum greifbaren Draußenhalten, bei dem man nicht einmal richtig streiten kann, weil niemand offen etwas sagt.

Paare treffen Paare.
Sie fahren zusammen einkaufen.
Sie sitzen zusammen.
Sie machen Ausflüge.
Und ich erfahre hinterher davon.

Nicht einmal. Nicht zweimal. Sondern wiederholt.

Wenn ich dann sage: Sagt doch Bescheid, wenn ihr in den Süden rüberfahrt, ich würde auch mal mitkommen, dann heißt es freundlich ja, klar, machen wir. Und dann machen sie es nicht.

Wenn man einmal vergessen wird – geschenkt. Zweimal – kann passieren. Aber irgendwann ist „Wir haben nicht an dich gedacht“ keine Erklärung mehr, sondern ein rosa Schleifchen über einem Stachel.

Das ist überhaupt eines der Bilder, die mir dazu kommen: der Stachel mit rosa Schleifchen.

Denn offen abgelehnt werde ich ja meist nicht. Kaum jemand sagt: Ich will dich nicht dabeihaben. Oder: Meine Frau ist unsicher wegen dir. Oder: Wir bleiben lieber unter Paaren. Oder: Du passt nicht in unsere Ordnung.

Das wäre hart, aber wenigstens ehrlich. Dann könnte man sich dazu verhalten. Dann gäbe es eine ausgesprochene Wirklichkeit.

Stattdessen kommt oft etwas Freundliches, Harmloses, Weiches.

Ach, wir haben nicht an dich gedacht.
Ach, das hat sich so ergeben.
Ach, das war keine Absicht.

Und genau das macht es so schwer.

Denn ich habe mich ja nicht bloß hingestellt und gesagt: Ihr seid alle doof und ladet mich nicht ein. Ich habe sehr wohl zuerst bei mir geschaut. Jahrelang. Kann ich nicht reden? Bin ich zu eckig? Zu uneckig? Zu still? Zu anders? Zu präsent? Zu wenig harmlos? Mache ich etwas, das ich selbst nicht merke? Ist mein Schweigen schwierig? Mein Blick? Mein Denken?

Meine Art, nicht stundenlang über Thermomix reden zu wollen? Oder nicht länger als zehn Minuten über schnelle Autos? Liegt es daran, dass ich mich für Politik interessiere, für Philosophie, für KI, für Dinge, die manche vielleicht nicht beim Sundowner hören wollen?

Ich weiß es nicht genau. Und dieses Nichtwissen ist nicht nur intellektuell unerquicklich. Es betrifft mich existenziell.

Wer merkt eigentlich, wenn du fehlst?

Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um eine verpasste Einladung zum Einkaufen oder um einen Grillabend. Irgendwann geht es um die Frage: Wer merkt eigentlich, wenn du fehlst? Wer merkt, wenn etwas mit dir ist? Wer fragt nach, wenn du plötzlich nicht mehr auftauchst?

Ich hatte letztes Jahr einen Unfall. Nachts fiel mir eine Glasscheibe auf den Fuß. Niemand hätte das ahnen können, darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass andere Menschen hellsehen müssten.

Aber was mich daran getroffen hat, war etwas anderes: dass es offenbar keinen tragenden Beziehungsfaden gab, an dem mein Ausbleiben überhaupt hängen blieb. Kein echtes: Wo ist sie eigentlich? Was ist mit ihr? Warum kommt sie nicht?

Hinterher hieß es dann: Hättest du doch was gesagt. Eine sagte sogar: Du hättest mich doch anrufen können. Auf meine Frage, ob sie nachts überhaupt ans Telefon gegangen wäre, kam: Nein, nachts ist mein Telefon aus.

Damit das nicht falsch klingt: Ich habe hier zwei Freundinnen, Britta und Karin. Die tragen mich sehr wohl. Sie sind ein wesentlicher Grund, warum ich überhaupt hierhergezogen bin. Und auch in der Zeit meines Unfalls haben sie mir geholfen.

Ich bin also nicht ohne Halt, nicht ohne Bindung und nicht ohne Dankbarkeit. Aber sie haben beide ihr eigenes Leben, sind sehr verschieden, und so sehr sie mich tragen – sie decken nicht die ganze Breite dessen ab, was ich an Austausch, Nähe, Alltag, Denken und gemeinsamem Leben brauche.

Zwei tragende Menschen sind viel. Aber sie ersetzen noch kein soziales Gewebe.

Und genau da beginnt für mich die eigentliche Frage: Was läuft hier eigentlich ab?

Nicht Bosheit. Nicht offene Feindschaft. Sondern eine Form von sozialer Unverbindlichkeit, die sich freundlich anhört und in der Realität nicht trägt.

Natürlich kann man jetzt sagen: Ja, dann hättest du halt mehr anrufen müssen. Mehr fordern. Mehr dich reinwerfen. Mehr sagen, dass du Hilfe brauchst. Vielleicht.

Aber wenn du im Alltag immer wieder subtil mitgeteilt bekommst, dass du eigentlich nicht wirklich dazugehörst, dann wächst nicht gerade das Vertrauen, dich im Notfall an genau diese Leute zu wenden. Auch das ist eine Folge.

Wenn ich dreimal nicht eingeladen werde, nicht mitgedacht werde, nicht richtig vorkomme, dann ist da irgendwann ein innerer Hemmsatz. Nicht nur Schüchternheit. Eher das Gefühl: Rühr da gar nicht dran. Da ist Stacheldraht. Vielleicht rosa verpackt. Aber Stacheldraht.

Was läuft hier eigentlich ab?

Warum funktioniert das so? Warum scheint eine alleinstehende Frau oft willkommen zu sein – solange sie nichts anrührt? Solange sie freundlich mitläuft, aber keine eigene Wirklichkeit in den Raum bringt? Solange sie nicht als Frau spürbar wird, sondern eher als neutrale Randfigur?

Ich habe verschiedene Hypothesen dazu.

Eine davon ist die Paarnorm. Dass Paare, selbst wenn sie sich modern, offen, ausgewandert und unkonventionell erleben, immer noch die eigentliche soziale Grundeinheit bilden. Wer außerhalb davon lebt, ist nicht einfach eine weitere Person, sondern ein Sonderfall. Nicht unbedingt ausgeschlossen, aber eben auch nicht selbstverständlich mitgedacht.

Paare treffen Paare. Und die alleinstehende Frau fällt aus dem Raster.

Was mich daran auch erschreckt: wie tief diese Paarnorm immer noch sitzt. Dabei leben längst so viele Menschen nicht in stabilen Zweierbeziehungen. Und trotzdem wird sozial oft noch immer so getan, als sei genau das die eigentliche Form von Normalität. Als wäre eine Frau allein nicht einfach eine Frau, sondern ein Sonderfall.

Das ist vielleicht einer der verstörendsten Punkte überhaupt: dass eine Norm gesellschaftlich längst Risse hat – und im Alltag trotzdem weiterregiert.

Eine zweite Hypothese ist Besitzlogik. Dieses „mein Mann“, „meine Frau“ kann Wärme und Zugehörigkeit ausdrücken. Es kann aber auch kippen in Besitz. In Absteckung. In: Das gehört zu mir, da gehst du nicht ran. Da ist nicht Beziehung im Vordergrund, sondern Bewachung. Nicht ein gemeinsamer Raum mit klaren Grenzen, sondern Stacheldraht. Und dann wird eine dritte Person nicht mehr als Mensch gesehen, sondern als Risiko.

Ich habe das ein paar Mal sehr offen erlebt, und fast fand ich diese Situationen erleichternd, weil endlich etwas sichtbar wurde, was sonst nur als Vermutung im Raum steht.

Einmal fragte ich auf einer Veranstaltung einen Mann zum Tanzen. Nennen wir ihn Martin. Er kam mit mir auf die Tanzfläche, und sofort kam seine Frau, nennen wir sie Martina, auf mich zu und sagte sinngemäß: Ich wollte doch mit meinem Mann tanzen, wir tanzen so selten.

Ich sagte zu ihr: Gar kein Thema. Ich will ihn dir nicht wegnehmen. Wenn du magst, tanzen wir beide. Ich führe auch.

Also tanzten wir zusammen, später noch einmal kurz ich mit Martin, und der Rest des Abends gehörte ihnen.

Eine andere Frau markierte auf einem Salsa-Abend sofort: Das ist mein Mann. Auch da sagte ich nicht: Stell dich nicht so an, sondern: Das weiß ich. Wollen wir es zusammen probieren?

Was ich daran interessant finde: Sobald die Unsicherheit ausgesprochen wird, kann man damit umgehen.

Dann entsteht Spielraum. Dann muss nicht sofort ausgeschlossen werden. Dann kann man reden, tanzen, den Raum entspannen.

Das Problem ist für mich nicht einmal, dass Menschen unsicher sind. Das Problem ist, dass sie es so oft nicht benennen. Dass sie stattdessen handeln und den Preis dafür andere zahlen lassen.

Vielleicht ist das überhaupt der Kern: Nicht jede Angst ist vermeidbar. Nicht jede Eifersucht ist nobel. Nicht jede Paarordnung ist innerlich frei. Aber wenn man wenigstens sagen würde, was los ist, wäre Beziehung möglich.

Wo nichts gesagt wird, organisiert sich die Unsicherheit als Ausschluss.

Und natürlich frage ich mich dabei auch: Hat es vielleicht nicht nur mit Erotik oder Paarbesitz zu tun? Sondern auch mit Störung. Mit Irritation.

Ich bin keine Frau, die stundenlang über das Wetter oder den Gartenzaun des Nachbarn reden mag, nur damit die Stimmung nett bleibt. Ich kann Frauengespräche. Ich kann Männergespräche. Ich kann mich in Dreiergesprächen bewegen, auch wenn das anstrengend ist, weil ich oft mitdenke, ob alle eingebunden sind. Ich kann switchen. Aber ich neutralisiere mich nicht völlig.

Vielleicht ist genau das für manche unpraktisch. Eine Single-Frau, die nicht bedürftig wirkt, nicht harmlos entschärft ist, nicht auf Restpostenenergie läuft, sondern da ist, mit eigener Wahrnehmung, eigener Sprache, eigenem Schweigen – vielleicht kratzt das etwas an. Vielleicht nicht nur in Paaren, sondern auch in Frauenrunden, die ihre eigene Ordnung haben.

Ich weiß das nicht sicher. Ich taste mich daran entlang.

Der Stacheldraht der anderen

Was ich aber sehe: Je weniger Menschen bei sich schauen wollen, desto enger werden oft ihre Grenzen. Und das ist der Punkt, an dem mein Thema größer wird als meine Kränkung.

Denn natürlich habe auch ich blinde Flecken. Hoffentlich werden sie im Lauf des Lebens weniger. Aber wenn Menschen ihre eigene Unsicherheit oder ihre ungeprüften Normen so stark absichern, dass andere dabei draußen bleiben, dann ist das nicht mehr nur deren Privatsache. Dann hat die Abwehr soziale Folgen.

Daran muss ich manchmal denken, wenn ich Bilder von Costa Rica sehe. Viele fanden es dort toll. Mich hat immer auch irritiert, wie viele Häuser dort wie Gated Communities wirkten – eingezäunt, gesichert, mit Stacheldraht, um sich vor Einbrechern, Armut, Gefahr zu schützen.

Nur dass sich dabei immer auch die Frage stellt: Wer hat sich da eigentlich eingesperrt? Die da draußen – oder die da drinnen?

Genau so fühlt es sich manchmal auch in sozialen Beziehungen an. Menschen bauen Zäune, damit nichts sie irritiert, nichts wackelt, nichts sie verunsichert.

Und ja, ich bleibe dann draußen. Allein.

Aber ich habe wenigstens keinen Stacheldraht um mich gezogen. Sie schon.

Das ist kein Triumphsatz. Draußen sein tut weh. Allein sein auch.

Und trotzdem ist da ein Gedanke, den ich nicht loswerde: Wer sich gegen jede Gefahr absichert, stirbt irgendwann an der eigenen Absicherung. Wer nur noch schützt, bewacht, ausblendet, sichert, kontrolliert, der hält vielleicht Störungen fern – aber eben auch Lebendigkeit.

Vielleicht gilt das nicht nur für Länder mit Mauern und Zäunen, sondern auch für Beziehungen, Freundeskreise, Auswanderer-Communities und kleine soziale Welten, die sich offen nennen und doch nur so lange offen sind, wie nichts an die eigene innere Ordnung rührt.

Vielleicht ist das überhaupt mein eigentliches Thema: Nicht nur, dass ich allein bin. Sondern dass ich an einer Struktur entlang lebe, die mir immer wieder zeigt, wie tief diese Fixierung auf Paar, Besitz, Zugehörigkeit und soziale Sicherheitszonen noch sitzt. Selbst bei Menschen, die doch längst ausgebrochen sein wollten. Selbst bei Auswanderern, die Deutschland hinter sich gelassen haben.

Selbst bei den Frauen, die einmal offen schienen. Offen für neue Wege, offen für sich selbst. Und gerade jetzt, wo sie nach Jahren des Funktionierens für andere eigentlich Raum für sich nehmen könnten, verlagert sich die alte Fremdorientierung oft nur. Dann geht es nicht mehr um Mann, Kinder und Job, sondern um den Hund, um einen Liebhaber, der fast nie Zeit hat und für den man trotzdem bereitstehen muss, oder um spirituelle und meditative Räume, die Halt geben, aber auch wieder eng werden können.

Und die Paare? Die spielen oft ihre eigene Ordnung weiter. Männer haben ihre Nischen, Stammtische, Ausgänge. Frauen brechen nette Abende ab, um die Pizza für den Mann in den Ofen zu schieben.

Freiheit wird erzählt – und dann wieder eingefaltet.

Paare dürfen Paare sein. Natürlich. Das ist gar nicht mein Angriff. Eine Beziehung darf Schutzraum sein. Sie darf vertraut sein. Sie darf Grenzen haben.

Die Frage ist nur: Warum wird die dritte Person so schnell zur Gefahr? Warum kann ein Paar, das in sich selbst ruht, nicht mit einer weiteren Person im Raum sein, ohne sofort in Besitzlogik oder Abwehr zu kippen? Warum stört eine Dritte so oft? Und warum wird genau darüber so selten gesprochen?

Vielleicht, weil dann etwas sichtbar würde, was man lieber nicht sehen will.

Dass Offenheit oft nur so lange gilt, wie sie nichts kostet.
Dass Freiheit oft behauptet wird, aber nicht geübt.
Dass Beziehung oft weniger sicher ist, als sie nach außen aussieht.
Dass Frauen auch heute noch nicht einfach als eigenständige soziale Einheiten gelten, sondern allzu oft über ihre Einbindung in eine heterofeste Partnerschaft mitgedacht werden.
Und dass eine Frau, die außerhalb dieser Ordnung lebt, nicht nur allein ist, sondern für andere eine unbequeme Frage.

Offene Tür oder Zaun mit rosa Schleifchen

Vielleicht geht es am Ende gar nicht nur um Singles, Paare oder Einladungen.

Vielleicht geht es um etwas viel Einfacheres und viel Härteres: Wer wird als wirklicher Mensch mitgedacht – und wer nur so lange, wie er nichts anrührt?

Ich habe darauf noch keine fertige Antwort.

Aber ich kenne inzwischen den Unterschied zwischen einer offenen Tür und einem Zaun mit rosa Schleifchen.

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