
Nordzypern. Zwischen Hoffnung, Beton und Bitterorangen
Du willst wissen, wie es wirklich läuft mit Geld, Macht und Alltag in Nordzypern? Was hinter leeren Baustellen, Luxusautos und Bitterorangen steckt? Ich lebe hier und das gerne– und erzähle dir, was sonst keiner offen sagt.“ „Was ich zeige, soll niemanden angreifen, sondern helfen, Nordzypern realistisch zu verstehen. Und hier mit den Gegebenheiten in Frieden zu leben.
Jeden Morgen der gleiche Blick.
Die Bitterorangen hängen, werden nicht geerntet. Zu schade, zu viel, zu bitter – oder einfach: keine Zeit, kein Markt, kein Sinn?
Ich fahre durch Straßen, an denen einerseits gebaut wird, als gäbe es kein Morgen – und andererseits die Rohbauten monatelang stehenbleiben. Ganze Anlagen, für niemanden.
Manchmal frage ich mich: Wer soll hier eigentlich wohnen?
Für wen wird das alles gebaut? Für die Zukunft? Für Investoren? Für ein Versprechen, das nie eingelöst wird?
Oder einfach, weil das Geld irgendwohin muss? Ausländisches Geld….. Und das verstärkt seit ca 5 Jahren?
Immer mehr neue Autos. Dicke Karossen, Kennzeichen, die gestern noch niemand kannte. Die fahren jetzt durch, als hätten sie schon immer dazugehört. Inklusive der Straßenvorfahrt.
Ich merke, wie sich die Stimmung verändert. Es wird schneller, härter, rücksichtsloser.
Früher habe ich Platz gemacht. Heute überlege ich, warum ich das eigentlich noch tun sollte.
Und dann kommen die Fragen: Wie funktioniert das hier eigentlich? Der Vorwurf der Korruption, der Geldwäsche, die im Ausland zirkulieren.
Wie läuft Korruption, wie läuft Geldwäsche, wenn es jeder weiß – und trotzdem niemand offen drüber spricht?
Hier läuft das anders als im Krimi.
Und nicht viel anders als in ganz vielen Teilen der Welt.
Geldwäsche bedeutet oft:
Jemand bringt Bargeld ins Land, steckt es in ein Immobilienprojekt. Das Bauprojekt startet, es gibt schöne Pläne, Showrooms, Verkaufsversprechen.
Aber gebaut wird nur so viel, wie nötig ist, um den Schein zu wahren
.
Manche Wohnungen wechseln mehrfach den Besitzer, jedes Mal gegen eine neue Anzahlung, manchmal gegen „Abschläge“ bei Rückgabe.
Der ursprüngliche Käufer bekommt etwas zurück, aber längst nicht alles. Der Bauträger verkauft die gleiche Wohnung an den Nächsten. So wird Geld gewaschen – offiziell ist alles sauber, es gibt Papiere, Verträge, Anwälte. Aber wer wirklich darin wohnen will, hat oft das Nachsehen.
Ich mußte es auch erst verstehen:
Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie dieses System wirklich funktioniert. Von außen klingt „Geldwäsche“ wie ein Krimi-Stichwort. Aber hier ist es kein Hollywood-Thriller, sondern der Kitt, der alles zusammenhält – und jede Hoffnung auf Sicherheit und Recht unterspült.
[Wie läuft das ab?]
Stell dir vor:
– Ein Investor bringt Bargeld ins Land.
Vielleicht aus Russland, der Türkei, Israel, England. Das Geld wird nicht auf ein Konto überwiesen – es taucht einfach auf.
– Er kauft sich in ein Bauprojekt ein, zahlt hohe Summen als Anzahlung. Das Bauprojekt läuft ein paar Monate, dann passiert nichts mehr – außer, dass das Geld längst verteilt ist.
– Der Bauträger kann nach Belieben entscheiden: Baut er weiter? Gibt er vor, dass der Käufer nicht gezahlt hat?
Ja, es gibt neue Gesetze, aber wo ein Wille ist… und die finanzielle Macht zu groß… Die Behörden stehen in einem Machtvakuum.
– Häufig folgt eine „Rückabwicklung“: Die Wohnung wird dem Käufer gegen Abschlag wieder abgenommen, taucht bei der nächsten Zahlung eines anderen Käufers wieder auf – oft mit neuen Papieren, vielleicht auf eine andere Scheinfirma, vielleicht auf einen Strohmann.
So wird Geld, das nirgends hätte auftauchen dürfen, legalisiert.
Jeder Weiterverkauf sieht nach außen „ordentlich“ aus. Niemand prüft, ob das Haus je fertig wird oder ob überhaupt jemand einzieht.
Oft sind dieselben Wohnungen im Laufe eines Jahres vier, fünf, sechs Mal verkauft – und jedes Mal fließt Geld, das nun offiziell „sauber“ ist. Und meist in den üblichen Kreisen bleibt.
Und wenn es doch einen Neuen betrifft, wundert er sich, warum sein Projekt nicht weiter geht..
[Was passiert mit dem Geld?]
– Ein Teil bleibt im Land – oft in Immobilien, Autos, Casinos.
– Ein Teil wird als „Gewinn“ ausgezahlt: Im Casino kann Bargeld problemlos eingezahlt und als „legaler“ Gewinn wieder abgehoben werden.
– Autos werden neuerdings vermehrt als Wertdepot genutzt: Sie lassen sich leicht kaufen, verkaufen, verleihen – immer wieder mit neuen Papieren. Ein dicker Mercedes ist hier weniger Statussymbol als Kapitaltransporter.
[Warum merkt das keiner?]
Weil alles aussieht wie Geschäft: Es gibt Verträge, Stempel, Notare, Anwälte.
Weil jeder im System davon profitiert, dass niemand zu genau hinsieht.
Und weil jeder, der einzahlt, hofft, er sei der, der am Ende gewinnt – und nicht der, der alles verliert.
Und oft wird nicht zu Ende gedacht: wie bekomme ich mein Betongold wieder in Scheine, mit denen ich meinen Kühlschrank füllen kann. Verkauf, Vermietung, wenn… das Land endlich anerkannt wird?
Die, die es tun müßten werden aus den verschiedensten Gründen NICHT tun. Zu viel Machterhalt steht auf dem Spiel!!! Und all die Annäherungsversuche scheiterten bisher an dem bisherigen Machterhalt und dessen Vorteilen bestimmter Seiten.
[Was bedeutet das für Leute wie mich – und für Neuankömmlinge?]
Ich habe es selbst erlebt, wie schnell man sich in Sicherheit wiegt. Man denkt: „Ach, das läuft halt anders als in Deutschland, hier regelt man viel mit Beziehungen.“ Tut es auch, oft.
Aber irgendwann merkt man:
– Verträge können wertlos sein.
– Eigentum ist nur so viel wert, wie das System es gerade will.
– Und wer wirklich profitieren will, braucht nicht Gerechtigkeit – sondern Beziehungen, Kontakte, Flexibilität und den Mut, auch mal beide Augen zuzudrücken.
Recht haben ist etwas anderes als Recht bekommen. Die Gesetze sind oft zu vage und die Gerichte überlaufen.
Anwälte? Im Dorf hackt eine Krähe keiner anderen die Augen aus….
Und ehrlich: der Staat versucht mit strengeren Gesetzen dem Wildwuchs Herr zu werden.
Aber, versuche einmal einem aufgenommenen Straßenhund deine Regeln beizubringen , die jahrelang für ihn nicht galten und die noch draußen lebenden Hunde , weil sie eine Rotte und größer sind weiterhin das machen, was sie wollen.
[Alltag und Werte]
Das zieht sich bis in den Alltag:
– Wenn neue, große Autos mit frischen Kennzeichen rücksichtslos durch die Straßen donnern, zeigen sie offen: „Ich kann mir das leisten – Regeln gelten für mich nicht.“ Fahrer meist junge Leute, wo du dir denkst“ Sponsered by Daddy? Oder woher?
Und warum jetzt? Vielleicht weil der Immobilienmarkt nicht mehr so leicht funktioniert? Zeitlich passt es. Und wieso Autos?
Autos – möglichst teuer, möglichst auffällig, auf den Namen einer Firma oder eines Strohmanns zugelassen.
Das Auto wird gekauft, manchmal nie wirklich genutzt, sondern bald weiterverkauft, vielleicht sogar ins Ausland verschoben.
Das Geld dahinter ist kaum nachzuvollziehen, denn hier fragt keiner groß nach, woher es kommt.
Autos werden zu Wertdepots, zu Tauschobjekten, zum Signal: Ich kann mir das leisten, Regeln sind für andere.
Und der Staat läuft hinterher. Ich möchte nicht in dessen Haut stecken.
Noch subtiler läuft es über Casinos.
Bargeld rein, Chips kaufen, ein paar Mal setzen – am Ende als angeblicher Gewinn wieder auszahlen lassen.
Jetzt ist das Geld „sauber“ und kann zurück in die Welt, in neue Projekte, neue Autos, neue Kreisläufe.
Und mit der da meist hinterstehenden Strukur ja, man könnte si als türkische Mafia bezeichnen … da hat TRNZ nicht wirklich etwas entgegen zu setzen ( nb. Kämpfe du mal als kleine Gemeinde gegen die EU Bürokratie an)
Was Korruption/Vetternwirtschaft betrifft:
Oft geht es weniger um Geldscheine im Umschlag als um Beziehungen.
Wer wen kennt, bekommt Dinge schneller, bekommt Genehmigungen, bekommt vielleicht auch mal ein Auge zugedrückt, wenn das Papier fehlt oder der Stempel.
Und weil hier vieles nicht offiziell geregelt ist, lebt das System davon, dass jeder für sich ein bisschen biegt, was anderswo fest ist.
Neue Geschäftsidee der Expats: Beziehungen. „Mit mir kommst du durch den Behördendschungel, ich kenne die richtigen Wege. Kostet als Dienstleistung nur xyz“. Aber – manchmal sitzen die Kontaktpersonen nicht mehr an den entsprechenden Stellen, oder sind selbst ins Visier gekommen…. Und die Anbieter selbst sind (immer) noch woanders und nicht auf der Insel. Das Geld ist weg, und der notwenige Stempel nicht auf dem Papier)
Aber wie kommt das? Mehr kriminelle Energie? NEIN. Man muß die Zusammenhänge sehen.
Nordzypern ist seit Jahrzehnten international isoliert, hängt daher zunehmend mehr an der Türkei, lebt unter einem Embargo. Recht und Ordnung sind hier weniger Gesetze, mehr Beziehungsarbeit. Staatliche Anerkennung?
Korruption – das klingt böse, ist aber oft der Versuch, überhaupt etwas möglich zu machen, wenn offizielle Wege blockiert sind.
So werden die Grauzonen die eigentliche Einnahmequelle.
Viele, die neu herkommen, finden das anfangs aufregend oder praktisch. Sie nutzen das System, zahlen keine Steuern, hoffen auf schnelle Vorteile – merken aber irgendwann: Wer die Regeln biegt, wird selbst gebogen.
Die Leute sagen: „Korruption. Geldwäsche. Alles Grauzone.“
Ich weiß nicht.
Vielleicht ist es Überlebenskunst. Vielleicht ist es System.
Vielleicht ist es auch nur eine Kette von Entscheidungen, von der jeder glaubt, sie sei für ihn die Ausnahme.
Und mahl ehrlich: wer hat in „besonderen“ Situationen nicht zuerst auf einen Bekannten bei XY gezählt? Kurze Wege, weil die langen zu…. waren.. Oder die Freiräume immer enger.
Wer nutzt es?
Manche kommen her, weil sie dem entkommen wollen, was sie woanders festhält – und wundern sich, wenn sie hier wieder ein neues Netz spüren.
Manche hoffen auf das große Geschäft, andere einfach auf ein bisschen Frieden.
Am Ende landen alle in denselben Fragen.
Ich lebe hier. Ich schaue zu, frage, spreche, manchmal fluche ich, manchmal lache ich.
Jeden Tag neue Baustellen, übervolle Plantagen, neue Autos, neue Geschichten.
Was das alles ist?
Eine Zwischenzeit. Ein System ohne Drehbuch.
Man kann sich darüber aufregen. Man kann mitmachen. Man kann sich raushalten wollen – und merkt, dass das vielleicht gar nicht geht.
Viele fragen mich: „Wie lebt es sich in Nordzypern? Was ist dran an den Gerüchten über Korruption, schnelle Gewinne und diese Luxuskarossen, die überall auftauchen?“
Ich lebe hier – und die Wahrheit ist: Es ist kompliziert. Es gibt hier kein Schwarz-Weiß. Was viele als Korruption bezeichnen, ist oft einfach Überleben in einem System, das aus Isolation und Dauer-Notstand gewachsen ist.
Und Menschen anzieht, die dieses ausnutzen.
Wer nach Nordzypern kommt, trifft auf ein Netz aus Chancen, Unsicherheiten, Grauzonen.
Die „Großen“ profitieren mehr, ja – aber auch die „Kleinen“ nutzen, was geht.
Und wer sich über schlechte Straßen, fehlende Sicherheit, offene Fragen beschwert, vergisst oft: Wer keine Steuern zahlt und alles inoffiziell regelt, ist selbst ein Teil der Lösung – und des Problems.
Es bleiben also viele Fragen:
Für wen wird das hier eigentlich gebaut?
Vielleicht für uns alle.
Vielleicht für niemanden.
Vielleicht für ein Morgen, die neue Staatenlösung, das höchstwahrscheinlich nie kommt.
Oder einfach, weil es hier so ist.
[Offenes, ehrliches Fazit]
Nordzypern ist kein Paradies, kein Sündenpfuhl – sondern ein Ort voller Brüche, Übergänge, Zwischenlösungen.
Wer kommt, wird Teil davon, ob bewusst oder nicht.
Am Ende gibt es keine einfachen Antworten. Nur Erfahrung, offene Augen – und die Einladung, selbst zu prüfen, wieviel Unsicherheit man aushält und mit welchem Maß an Kompromiss man hier leben will.
Und ich habe mich entschieden: ich bleibe hier – jeden Tag bewußt.