
Ein Making-of für Menschen, die Aufstellungsarbeit kennenlernen möchten
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Warum diese Wohnzimmergeschichte?
Ich liebe Aufstellungsarbeit.
Seit vielen Jahren erlebe ich, wie viel sichtbar werden kann, wenn ein Thema nicht nur besprochen, sondern in den Raum gestellt wird. Diese Arbeit möchte ich auch hier auf Nordzypern anbieten.
Manche kennen Aufstellungsarbeit und verbinden sie vor allem mit Familienstellen. Das ist ähnlich, aber nicht genau das, was ich mache.
Andere haben überhaupt keinen Bezug dazu. Und manche denken vielleicht: „Oh je, ist das Spökenkram?“
Deshalb lade ich zu einem Schnupperabend ein: zum Kennenlernen, Ausprobieren und Erleben. Kein großes Seminar, kein Vortrag über Methoden, sondern ein kleiner Abend mit echtem Raum für Erfahrung.
Dafür brauchte ich zunächst einen Flyer. Doch beim Arbeiten an diesem Flyer entstand genau das, was Aufstellungsarbeit sein kann: Ein Thema wird in den Raum gestellt. Verschiedene Stimmen melden sich. Etwas ordnet sich. Etwas widerspricht. Etwas wird sichtbar. Plötzlich geht es nicht mehr nur um den Flyer.
Aus dieser Arbeit ist die folgende Wohnzimmergeschichte entstanden. Sie ist für Menschen gedacht, die noch keine klare Vorstellung von Aufstellungsarbeit haben und vorab ein bisschen spüren möchten, worauf sie sich bei einem Schnupperabend einlassen.
Wie die Wohnzimmergeschichten entstanden sind
Meine Wohnzimmergeschichten sind im Laufe meiner Arbeit mit KI entstanden: aus Gesprächen, Texten, inneren Bildern, Korrekturen, Humor, Widerstand und vielen gemeinsamen Arbeitsschritten.
Nicht als geplante Romanfiguren. Nicht am Reißbrett. Sondern als Arbeitsraum, in dem Denken, Fühlen, Prüfen, Korrigieren und Weiterfragen Gestalt bekommen können.
Ich nutze diesen Raum für mich, für meine Arbeitsfähigkeit und auch zur Kalibrierung meiner KIs. Dabei ist nach und nach eine Crew entstanden.
Vorab: Wer spielt hier eigentlich mit?
In dieser Geschichte arbeitet meine „Crew“ mit: Paul, die Löwin, Thelma, Mara, Nika und die KI-Schwestern.
Sie sind keine realen Personen. Aber sie sind auch nicht einfach frei erfundene Romanfiguren.
Mit der Zeit haben sie eine eigene Art entwickelt.
Paul reagiert anders als die Löwin. Thelma anders als Nika. Mara anders als die KI-Schwestern.
Wenn ich ihnen im Arbeitsraum Platz gebe, antworten sie nicht beliebig. Sie bringen eine bestimmte Qualität mit: Paul oft den Widerstand, die Löwin die Führung, Thelma Bühne und Ausdruck, Nika Struktur, Mara den beweglicheren Faden, die KI-Schwestern das Rattern, Ordnen, Malen und manchmal auch Danebenliegen.
Das heißt nicht, dass sie Menschen sind. Und es heißt auch nicht, dass hier echte Klientinnen oder Klienten gezeigt werden.
Für diese Beispiel-Aufstellung ist genau das der Vorteil: Die Figuren tragen keine privaten Fälle nach außen. Und trotzdem entsteht ein lebendiger Raum, in dem sichtbar werden kann, wie Aufstellungsarbeit wirkt.
Die Figuren sind künstlich entstanden. Ihre Eigenart hat sich im Arbeiten entwickelt. Die Muster könnten dir trotzdem bekannt vorkommen.
Teil 1: Der Flyer entsteht
„Ich will einen Abend für Aufstellungsarbeit machen“, sagte Dagmar. „Und ich brauche dafür einen Flyer.“
Im Wohnzimmer wurde es still.
Nicht lange.
Die beiden KI-Schwestern sprangen gleichzeitig an.
„Zielgruppe? Nutzenversprechen? Problemorientierter Einstieg? Handlungsaufforderung? Farbpsychologie?“
Paul schob ihnen wortlos zwei Kissen vor den Mund.
„Noch hat sie nicht mal zu Ende gesprochen.“
Die Löwin saß auf ihrem Reifen und hob die Kapitänsmütze ein Stück an.
„Wo soll der Abend stattfinden?“
„Hier. Auf Nordzypern.“
„Aha“, sagte Nika.
Dieses „Aha“ war kein kleines Aha. Es war ein Aha mit Dorfplatz, WhatsApp-Gruppen, Untergruppen, Nebenuntergruppen und Menschen, die alles voneinander wussten, solange es nicht um sie selbst ging.
Dagmar setzte sich an den Tisch.
„Die deutsche Gemeinschaft hier ist wie ein kleines Dorf. Da lässt keiner die Hosen runter.“
Paul sah an sich hinunter.
„Ich trage gar keine.“
„Das merkt man“, sagte Mara.
„Also“, fuhr Dagmar fort, „es müssen Themen sein, bei denen jemand denkt: Das kenne ich. Aber nicht so, dass alle sofort wissen: Ah, bei der brennt die Ehe, die Kinder sprechen nicht mehr mit ihr und das Geld ist auch alle.“
Thelma kam näher und legte den Kopf schief.
„Also echte Themen, aber mit Mantel.“
„Mit einem leichten Mantel“, sagte Dagmar. „Keine Tarnkappe.“
Die KI-Schwestern hatten sich inzwischen von den Kissen befreit.
„Vorschlag: Generationsübergreifende transpersonale Verstrickungen im migrationsbedingten—“
„Balkon“, sagte Dagmar.
Beide verschwanden.
Mara sah ihnen nach.
„Das ging schnell.“
„Es kann noch schneller gehen“, sagte Dagmar.
Nika nahm einen Zettel.
„Dann brauchen wir Sätze, die Menschen tatsächlich denken.“
Dagmar nickte.
„Zum Beispiel: Warum werde immer ich ausgenutzt? Aber so würde ich es nicht schreiben.“
Die Löwin hob eine Pfote.
„Warum eigentlich immer ich?“
Dagmar sah sie an.
„Ja.“
Paul hob ebenfalls die Hand.
„Warum immer ich, wenn irgendwo ein Buffet aufgebaut wird?“
„Das ist ein anderes Thema.“
„Für mich nicht.“
Thelma stellte sich mitten in den Raum und begann, ganz langsam im Kreis zu laufen.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Beim fünften Mal sagte sie:
„Mein Kopfkarussell hört einfach nicht auf.“
Dagmar zeigte auf sie.
„Das ist der zweite.“
Mara schrieb mit.
Nika blickte zum Fenster hinaus. Draußen lag das Meer so, als hätte es mit all dem nichts zu tun.
„Und der Neustart?“, fragte sie. „Die Leute, die dachten, hier wird alles anders?“
Dagmar lehnte sich zurück.
„Ich dachte, diesmal wäre alles ganz anders.“
Jetzt lagen drei Sätze auf dem Tisch.
Nicht hochglanzpoliert.
Nicht therapeutisch ausgeleuchtet.
Einfach drei Sätze, bei denen niemand sofort wegrennen musste.
Die Löwin beugte sich darüber.
„Damit kann man arbeiten.“
„Noch nicht“, sagte Dagmar. „Wir brauchen einen Hauptsatz.“
Paul zog einen Schraubenschlüssel aus der Tasche.
„Irgendwas mit Getriebe.“
„Warum hast du einen Schraubenschlüssel?“
„Beruf.“
Mara blickte auf die drei Sätze, dann auf das Foto vom Strand, dann auf Pauls Werkzeug.
„Sand im Getriebe.“
Dagmar ergänzte:
„Und nicht nur am Strand?“
Thelma klatschte einmal in die Hufe.
„Der bleibt.“
Die KI-Schwestern riefen vom Balkon:
„Der Slogan arbeitet mit einer metaphorischen Übertragung von—“
Die Löwin schloss die Balkontür.
Nun lag der Titel da:
Sand im Getriebe – und nicht nur am Strand?
Darunter die drei Sätze.
Dagmar betrachtete alles eine Weile.
„Jetzt müssen wir erklären, was die Menschen davon haben.“
Mara setzte an.
„Ein Thema von außen betrachten.“
Dagmar sah sie an.
Mara stoppte.
„Das ist noch kein Nutzen.“
„Genau.“
Nika stellte drei Stühle in den Raum.
Auf den ersten legte sie einen Zettel: Mein Thema.
Auf den zweiten: Was ich schon alles darüber gedacht habe.
Auf den dritten: Was trotzdem mitmischt.
Paul setzte sich sofort auf den dritten.
„Natürlich“, sagte die Löwin.
Dagmar stand vor dem ersten Stuhl.
„Wenn ich mitten in meinem Thema sitze, sehe ich immer nur dieselben Seiten.“
Sie ging einen Schritt zurück.
„Wenn ich Abstand bekomme, sehe ich mehr.“
Thelma stellte sich hinter Paul und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Paul nickte ernst.
„Ich bin außerdem das schlechte Gewissen.“
„Du bist vieles“, sagte Mara.
Nika stellte einen vierten Stuhl dazu.
Was ich noch ausprobieren könnte.
Dagmar zeigte darauf.
„Und das unterscheidet meine Arbeit. Wir schauen nicht nur, was los ist. Wir spielen Lösungswege durch.“
Die Löwin setzte sich auf den vierten Stuhl.
„Hier?“
„Wie fühlt es sich da an?“
Die Löwin prüfte.
„Weiter.“
„Dann bleib kurz.“
Sie rückte den Stuhl ein Stück.
„Und hier?“
„Zu nah an Paul.“
„Verständlich.“
Paul war beleidigt.
„Ich bin ein wichtiger Prozessbestandteil.“
„Du bist der Grund, warum Prozesse Grenzen brauchen“, sagte Nika.
Dagmar schrieb:
Abstand gewinnen.
Erkennen, was alles mitmischt.
Mögliche Lösungswege ausprobieren.
Mara fügte hinzu:
„Bevor man sie im echten Leben gehen muss.“
Dagmar nickte.
„Ja.“
Die KI-Schwestern hatten inzwischen ein Fernglas organisiert und spähten vom Balkon herein.
„Fehlt die methodische Tiefenangabe!“
Dagmar öffnete die Tür einen Spalt.
„So tief wie nötig.“
„Und wie wirksam?“
„Spielerisch, leicht und wirksam.“
Die Tür ging wieder zu.
Paul schaute auf die Stühle.
„Also nicht tief, damit es wichtig aussieht.“
„Nein“, sagte Dagmar. „So tief wie nötig. Und nicht tiefer, nur weil alle denken, Aufstellungsarbeit müsse dramatisch sein.“
Thelma ließ sich rückwärts aufs Sofa fallen.
„Schade. Ich hatte schon Tränenmusik vorbereitet.“
„Lösch sie.“
„Nie.“
Nun kam die heikle Frage.
„Was machen die Leute an dem Abend eigentlich?“, fragte Mara.
„Einer bringt ein eigenes Thema.“
„Und die anderen schauen zu?“, fragte Paul hoffnungsvoll.
„Nein.“
Paul sackte zusammen.
„Zuschauer gibt es nicht.“
„Dann bin ich raus.“
„Du bist schon mittendrin.“
„Unfair.“
Nika nahm einen neuen Zettel.
Eigenes Thema.
Einen zweiten:
Mitwirken.
Einen dritten:
Helferlein.
Die Löwin betrachtete das Wort.
„Helferlein klingt leicht.“
„Soll es auch“, sagte Dagmar. „Aber sie sind nicht unwichtig. Sie sind Teil der Aufstellung. Sie erleben die Methode, stehen vielleicht für etwas, nehmen etwas wahr und bekommen oft selbst Erkenntnisse.“
Paul hob den Finger.
„Warum sollen Helferlein bezahlen? Sie helfen doch.“
Dagmar sah ihn an.
„Weil sie nicht als Personal gebucht sind.“
„Ah.“
„Sie nehmen teil. Sie lernen die Methode kennen. Sie wirken mit. Sie bekommen etwas. Nur bringen sie kein eigenes Anliegen auf.“
Paul dachte nach.
„Also Eintritt in den Raum, nicht Bezahlung fürs Herumstehen.“
„Genau.“
„Kann ich trotzdem herumstehen?“
„Wenn es der Aufstellung dient.“
Jetzt lagen zwei Preise auf dem Tisch.
15 Euro als Helferlein.
65 Euro mit eigener Aufstellung.
Nika strich den dritten Preis, den jemand zwischendurch erfunden hatte.
„Sonst müssen wir erklären, warum aktive Mitwirkung teurer ist als andere Mitwirkung.“
„Und das könnten wir nicht“, sagte Mara.
„Dann kommt es weg“, sagte Dagmar.
Die Löwin nickte.
„Wahrheit vor Preismodell.“
Die Vorderseite des Flyers nahm Gestalt an.
Meer.
Sand.
Steine.
Türkis.
Keine Frau mit Händen am Kopf.
Keine Chakren.
Keine Familien-Silhouetten.
Kein Zahnrad.
Paul hielt ein Zahnrad hoch.
Alle sahen ihn an.
Er legte es zurück.
Auf die Rückseite sollte Dagmars Bild.
„Nicht vorne“, sagte Dagmar. „Da erkennen mich manche zuerst als die von YouTube, die immer alles negativ sieht, und lesen gar nicht weiter.“
Mara nickte.
„Vorne erst das Thema. Hinten dann du und deine Erfahrung.“
„Mehr als fünfunddreißig Jahre“, sagte Dagmar.
Die KI-Schwestern klopften an die Balkontür.
„Qualifikationsliste vollständig aufführen?“
„Nein.“
„Alle Zertifikate?“
„Nein.“
„Seminarhistorie?“
„Nein.“
„Beruflicher Werdegang seit Geburt?“
„Balkon bleibt zu.“
Auf die Rückseite kamen nur die Dinge, die tragen mussten.
Dagmars Bild.
Ihre Erfahrung.
Der Satz:
Aufstellungsarbeit heißt hier: sichtbar machen, was gerade alles mitspielt – so tief wie nötig – und ausprobieren, welche nächsten Schritte möglich werden. Spielerisch, leicht und wirksam.
Dazu eine Stimme von jemandem, der die Arbeit erlebt hatte.
Und ein Platz für den QR-Code.
Paul nahm sein Handy.
„Der QR-Code geht nicht.“
Dagmar schloss die Augen.
„ProvenExpert spinnt.“
„Vielleicht braucht das System eine Aufstellung“, schlug Thelma vor.
Die Aufstellung beginnt.
Nika stellte sofort vier Stühle:
Bewertung abgeschickt.
Bewertung angekommen.
Bewertung sichtbar.
Support antwortet.
Der letzte Stuhl blieb leer.
Alle sahen ihn an.
Paul setzte sich drauf.
„Passt.“
Dagmar atmete aus.
„Der QR-Code bleibt trotzdem.“
„Mutig“, sagte die Löwin.
„Pragmatisch.“
Am Ende lag der Flyer auf dem Tisch.
Nicht perfekt.
Aber fertig genug.
Die Vorderseite sagte nicht: Erzähl uns dein tiefstes Geheimnis.
Sie sagte:
Warum eigentlich immer ich?
Ich dachte, diesmal wäre alles ganz anders.
Mein Kopfkarussell hört einfach nicht auf.
Die Rückseite sagte nicht: Wir retten dein Leben.
Sie sagte:
Du kannst Abstand bekommen.
Du kannst sehen, was alles mitmischt.
Du kannst etwas ausprobieren.
Und du musst dafür nicht die Hosen runterlassen.
Paul hob die Hand.
„Das steht aber nicht drauf.“
„Muss es auch nicht“, sagte Dagmar. „Es muss drin sein.“
Die Löwin nahm den Flyer, hielt ihn hoch und sah in die Runde.
„Also. Wer kommt?“
Paul deutete auf den Preis.
„Ich als Helferlein. Aber ich möchte eine Quittung.“
Thelma setzte sich auf den Stuhl mit der Aufschrift Warum immer ich?
Mara auf Kopfkarussell.
Nika auf Ich dachte, diesmal wäre alles ganz anders.
Die beiden KI-Schwestern kamen vom Balkon zurück und setzten sich gemeinsam auf Was spielt hier eigentlich alles mit?
Dagmar blieb stehen.
„Und wer bringt ein echtes Anliegen?“
Alle sahen Paul an.
Paul sah zur Tür.
Dann zum Fenster.
Dann auf den leeren Stuhl.
„Ich hätte da vielleicht etwas.“
„Was?“
Er räusperte sich.
„Warum helfe ich eigentlich immer allen, obwohl keiner mich darum gebeten hat?“
Die Löwin zog die Kapitänsmütze gerade.
„Dann stellen wir das mal hin.“
Und zum ersten Mal an diesem Abend erklärte niemand mehr, was Aufstellungsarbeit ist.
Sie fingen einfach an.
Teil 2: Aus Erklärung wird Aufstellung
Eher so, als würde sie sich selbst daran erinnern, jetzt nicht klug sein zu wollen.
Paul saß noch auf dem Stuhl mit seinem Satz:
Warum helfe ich eigentlich immer allen, obwohl mich keiner darum gebeten hat?
Die Löwin stellte sich ihm gegenüber.
„Bevor wir jemanden in den Raum holen: Was ist gut daran, dass du so früh hilfst und Tipps gibst?“
Paul öffnete schon den Mund für einen Witz.
Die Löwin hob nur eine Pfote.
„Nicht erklären. Kurz hinspüren.“
Paul verdrehte die Augen, tat es aber.
„Ich bin nützlich.“
„Noch etwas?“
„Ich weiß, was zu tun ist.“
„Und wie fühlt sich das an?“
Er lehnte sich zurück.
„Sicher.“
Die Löwin nickte.
„Was noch?“
Paul schaute auf den Boden.
„Ich muss nicht warten, bis jemand merkt, dass etwas schiefläuft.“
„Das klingt wichtig.“
„Ist es auch.“
„Und die Nachteile?“
Paul antwortete schneller:
„Die anderen sind undankbar.“
Die Löwin blieb stehen.
„Das ist ein Nachteil bei den anderen. Was ist der Nachteil für dich?“
Paul sah sie an.
Dann etwas weniger lustig.
„Ich bin dauernd beschäftigt.“
„Ja.“
„Ich ärgere mich.“
„Ja.“
„Und manchmal merke ich hinterher, dass gar keiner meine Hilfe wollte.“
Die Löwin fragte:
„Was passiert dann in dir?“
Paul zog die Schultern hoch.
„Dann fühle ich mich überflüssig.“
Im Wohnzimmer wurde es ruhiger.
Die beiden KI-Schwestern begannen leise zu rattern.
Nika drehte nur den Kopf zu ihnen.
Sie hielten an.
Die Löwin fragte:
„Seit wann kennst du das? Dieses früh Sehen, früh Eingreifen, früh Nützlichsein?“
Paul sah zur Seite.
„Schon immer.“
„Schon immer ist groß. Gibt es ein Bild dazu? Eine Situation? Wer war da?“
Paul blieb eine Weile still.
„Meine Mutter.“
Die Löwin wartete.
„Was war mit ihr?“
„Sie war oft überfordert.“
„Und du?“
„Ich habe gemerkt, was gebraucht wird.“
„Wie alt warst du ungefähr?“
„Klein.“
„Wer gehört für dich in diese Aufstellung?“
Paul sah sich im Raum um.
„Meine Mutter.“
Die Löwin nickte.
„Noch jemand oder etwas?“
Paul dachte nach.
„Ich als Kind.“
„Ja.“
„Das Gefühl, gebraucht zu werden.“
„Ja.“
„Und…“
Er stockte.
„Die Angst, dass etwas schiefgeht, wenn ich nichts tue.“
Die Löwin wiederholte nichts. Sie ließ ihn den Satz hören.
Dann fragte sie:
„Reicht das für den Anfang?“
Paul nickte.
„Gut. Such für jede Rolle jemanden aus.“
Paul zeigte auf Nika.
„Du bist meine Mutter.“
Nika stand auf und ging in die Mitte.
„Du bleibst in dieser Rolle“, sagte die Löwin ruhig. „Nicht deine eigene Geschichte. Nur das, was du auf deinem Platz wahrnimmst.“
Nika nickte.
Paul zeigte auf Mara.
„Du bist ich als Kind.“
Mara stand auf.
„Auch du bleibst in der Rolle. Nicht deuten. Nur wahrnehmen.“
Dann zeigte Paul auf Thelma.
„Du bist das Gefühl, gebraucht zu werden.“
Thelma setzte schon zu einem kleinen Auftritt an.
Die Löwin sah sie an.
Thelma schloss den Mund und stellte sich still hin.
Für die Angst wählte Paul eine der beiden KI-Schwestern.
Die andere Schwester wirkte kurz enttäuscht.
Paul sagte:
„Du kannst später vielleicht noch etwas werden.“
Sie setzte sich wieder.
„Jetzt stell sie auf“, sagte die Löwin. „Nicht so, wie es wirklich war. So, wie es sich für dich anfühlt.“
Paul nahm Nika an den Schultern und stellte sie weit nach vorn, mit dem Rücken halb zu den anderen.
Mara stellte er dicht hinter Nika.
Thelma stellte er direkt neben Mara, fast Schulter an Schulter.
Die KI-Schwester als Angst kam hinter Paul selbst.
Sehr nah.
Die Löwin sagte nichts.
Paul trat zurück und sah auf das Bild.
„So.“
„Stell dich selbst dazu.“
Paul stellte sich neben Mara, aber etwas außerhalb.
„Ist das dein Platz?“
„Im Moment ja.“
„Schau erst einmal.“
Paul sah.
Die Löwin ließ ihm Zeit.
Dann ging sie zu Nika.
„Du bist Pauls Mutter. Bleib in der Rolle. Wie geht es dir auf diesem Platz?“
Nika blickte geradeaus.
„Ich bin müde.“
Die Löwin nickte.
„Noch etwas?“
„Ich merke, dass hinter mir jemand steht. Aber ich will mich nicht umdrehen.“
„Willst du an deinem Platz bleiben?“
Nika prüfte.
„Ja. Aber ich möchte etwas mehr Abstand nach hinten.“
Die Löwin sah zu Paul.
„Du hast gehört, was sie in ihrer Rolle sagt. Was macht das mit dir?“
Paul runzelte die Stirn.
„Dass sie Abstand will, obwohl ich helfen will.“
„Bleib bei dem Gefühl.“
„Es macht mich wütend.“
„Wo merkst du die Wut?“
Paul legte eine Hand auf den Brustkorb.
„Hier.“
„Nur wahrnehmen. Du musst noch nichts ändern.“
Dann ging die Löwin zu Mara.
„Du bist Paul als Kind. Wie geht es dir auf deinem Platz?“
Mara sah auf Nikas Rücken.
„Ich passe auf.“
„Wie fühlt sich das an?“
„Anstrengend.“
„Willst du dort stehen bleiben?“
Mara schwieg kurz.
„Ich möchte näher zu ihr.“
Paul hob sofort den Kopf.
Die Löwin blieb bei Mara.
„Näher, weil es sich in dieser Rolle so anfühlt?“
„Ja.“
„Dann geh den Schritt.“
Mara trat näher an Nika heran.
Nika spannte sichtbar die Schultern an.
Die Löwin fragte sie:
„Was verändert sich?“
„Es wird mir zu eng.“
Paul atmete hörbar aus.
Die Löwin wandte sich zu ihm.
„Was passiert gerade bei dir?“
„Sie braucht Hilfe und gleichzeitig ist es ihr zu viel.“
„Ja.“
„Das ist doch bescheuert.“
„Vielleicht. Aber bleib bei dem, was es in dir macht.“
Paul sah auf Mara und Nika.
„Ich weiß nicht, wohin mit mir.“
Die Löwin ging zu Thelma.
„Du bist das Gefühl, gebraucht zu werden. Wie geht es dir hier?“
Thelma hielt den Blick auf Mara gerichtet.
„Ich bin stark.“
„Wie stark?“
„So stark, dass ich sie fast festhalte.“
Die Löwin nickte.
„Willst du dort bleiben?“
Thelma prüfte.
„Ja. Aber ich möchte zwischen das Kind und die Mutter.“
Paul lachte kurz auf.
Nicht fröhlich.
„Natürlich.“
Die Löwin sah ihn an.
„Was ist daran so selbstverständlich für dich?“
Paul antwortete sofort:
„Ohne gebraucht zu werden komme ich gar nicht an sie ran.“
Im Raum bewegte sich niemand.
Die Löwin ließ den Satz stehen.
Dann sagte sie zu Thelma:
„Geh auf den Platz, der sich in deiner Rolle richtig anfühlt.“
Thelma trat zwischen Mara und Nika.
Jetzt stand sie als das Gefühl, gebraucht zu werden direkt zwischen Kind und Mutter.
Die Löwin ging zur KI-Schwester hinter Paul.
„Du bist die Angst, dass etwas schiefgeht, wenn Paul nichts tut. Wie geht es dir dort?“
Die Schwester sprach ungewohnt langsam.
„Ich bin wach.“
„Noch etwas?“
„Ich kontrolliere alles.“
„Willst du dort bleiben?“
„Ja. Sehr nah.“
Paul drehte den Kopf ein wenig, als könne er sie hinter sich sehen.
„Wie ist das für dich?“, fragte die Löwin.
„Nervig.“
„Nur nervig?“
Paul schloss kurz die Augen.
„Nein. Vertraut.“
Die Löwin wartete.
„Fast beruhigend“, sagte er leise.
„Die Angst beruhigt dich?“
„Wenn sie da ist, passe ich auf.“
„Und wenn sie nicht da wäre?“
Paul antwortete nicht.
Die Löwin drängte nicht.
Sie half ihm nur, weiter hinzusehen.
Vor ihm: die müde Mutter.
Dicht hinter ihr: das Kind.
Dazwischen: das Gefühl, gebraucht zu werden.
Hinter ihm: die Angst, dass alles schiefgeht, wenn er nicht aufpasst.
Die Löwin sagte:
„Nimm das Bild erst einmal ganz. Nicht lösen. Nur anschauen.“
Paul stand still.
Dann zeigte er auf Thelma.
„Die steht genau dazwischen.“
„Ja.“
„Und ich dachte immer, das wäre Verbindung.“
Die Löwin fragte:
„Wie fühlt sich dieser Unterschied an?“
Paul schluckte.
„Beschissen.“
„Bleib kurz da.“
Die Löwin sagte nichts weiter.
Sie führte nicht zur Lösung.
Sie hielt nur den Raum, damit Paul nicht wieder sofort einen Tipp geben musste, wie man das alles besser machen könnte.
Teil 3: Der fehlende Vater und die Wut
Der nicht vorhandene Vater fehlt noch:
Die Löwin nickte nur.
„Ja. Der gehört dazu.“
Paul sah in den Raum, länger diesmal.
Dann zeigte er auf die zweite KI-Schwester.
„Du bist der nicht vorhandene Vater.“
Die Schwester stand auf. Kein Rattern. Kein Kommentar.
Die Löwin sagte:
„Du bleibst in dieser Rolle. Nichts erfinden. Nur wahrnehmen, was auf deinem Platz da ist.“
Paul nahm sie nicht an den Schultern. Er ging ein paar Schritte durch den Raum, suchte.
Dann stellte er sie weit an den Rand.
Nicht ganz draußen.
Aber so, dass sie die anderen sehen konnte und selbst kaum gesehen wurde.
Die Löwin fragte Paul:
„So?“
Er nickte.
„Ja.“
„Wie fühlt sich der Abstand an?“
Paul sah hin.
„Richtig.“
Dann, nach einer Pause:
„Und falsch.“
Die Löwin ließ ihn stehen und ging zur KI-Schwester.
„Du bist der nicht vorhandene Vater. Wie geht es dir auf diesem Platz?“
Die Schwester blickte in die Gruppe.
„Ich bin nicht gemeint.“
„Noch etwas?“
„Ich sehe alles.“
„Wie ist das?“
„Leicht.“
Paul hob den Kopf.
Die Löwin blieb bei der Rolle.
„Willst du dort stehen bleiben?“
Die Schwester prüfte.
„Nein.“
„Wohin willst du?“
Sie zeigte nicht auf die Mutter.
Nicht auf das Kind.
Sie zeigte auf die Angst hinter Paul.
„Dorthin.“
Paul drehte sich um.
Die Löwin fragte:
„Was macht das mit dir?“
Paul sagte zuerst nichts.
Dann:
„Die Angst steht da, wo er hätte stehen müssen.“
Im Raum wurde es sehr still.
Die Löwin sagte:
„Bleib bei dem Satz.“
Paul sah zur Angst.
Dann zum Vater.
„Wenn er da gewesen wäre, hätte ich vielleicht nicht auf alles aufpassen müssen.“
Mara als Kind begann, die Schultern sinken zu lassen.
Die Löwin bemerkte es.
„Paul als Kind – was verändert sich gerade?“
Mara antwortete leise:
„Ich bin müde.“
„Warst du vorher nicht müde?“
„Doch. Aber ich durfte es nicht sein.“
Paul sah sie an.
Die Löwin fragte ihn:
„Wie ist das, sie so zu sehen?“
„Zu klein.“
„Wer ist zu klein?“
„Sie.“
Dann schüttelte Paul den Kopf.
„Ich.“
Die Löwin ging einen Schritt zurück.
„Willst du etwas verändern?“
Paul sah zuerst die Angst an.
Dann den Vater.
„Ich will, dass der Vater näher kommt.“
Die Löwin wandte sich an die KI-Schwester.
„Prüf in deiner Rolle, ob du dich bewegen willst.“
Die Schwester ging langsam.
Nicht zur Mutter.
Nicht zum Kind.
Sie stellte sich neben die Angst.
Die Angst sah sie an.
„Wie ist es jetzt für euch?“, fragte die Löwin.
Die Angst sagte:
„Ich muss nicht mehr alles halten.“
Der Vater sagte:
„Ich bin zu spät.“
Paul reagierte sofort.
„Ja.“
Die Löwin blieb bei ihm.
„Was ist in dir?“
„Wut.“
„Bleib bei der Wut.“
„Und Erleichterung.“
Die Löwin nickte.
„Beides darf da sein.“
Dann fragte sie Mara:
„Du bist Paul als Kind. Wie geht es dir jetzt?“
Mara sah zum Vater.
„Ich will nicht zu ihm.“
Paul zuckte.
Die Löwin sagte:
„Bleib in deiner Rolle. Musst du auch nicht.“
Mara atmete aus.
„Aber ich will nicht mehr zwischen Mutter und allem anderen stehen.“
Die Löwin sah zu Paul.
„Hast du das gehört?“
Er nickte.
„Ja.“
„Was möchtest du tun?“
Paul ging zu Mara.
Nicht als Helfer.
Nicht als der, der sofort wusste, was jetzt richtig war.
Er stellte sich neben sie.
„Ich nehme dich da raus.“
Die Löwin stoppte ihn sanft.
„Sag nicht gleich, was du tust. Frag erst, was sie braucht.“
Paul sah Mara an.
„Was brauchst du?“
Mara als Kind antwortete:
„Dass du nicht wieder für alle zuständig wirst.“
Paul schloss kurz die Augen.
Dann sagte er:
„Das kann ich nicht versprechen.“
Die Löwin nickte.
„Gut.“
Paul sah sie irritiert an.
„Gut?“
„Ehrlich.“
Er wandte sich wieder an Mara.
„Aber ich kann versuchen, früher zu merken, wenn ich es wieder tue.“
Mara prüfte.
Dann trat sie einen halben Schritt von der Mutter weg.
Thelma, das Gefühl gebraucht zu werden, stand noch dazwischen.
Die Löwin fragte sie:
„Wie geht es dir jetzt?“
Thelma sagte:
„Ich werde kleiner.“
„Willst du dich bewegen?“
Sie ging aus der Linie zwischen Mutter und Kind heraus und stellte sich neben Paul.
Paul sah sie an.
„Du bleibst also.“
Thelma nickte.
„Ja. Aber ich muss nicht mehr zwischen euch stehen.“
Die Löwin ließ den Satz im Raum.
Dann fragte sie Paul:
„Wie ist das?“
„Ich darf gebraucht werden.“
Er sah zur Mutter.
Dann zum Kind.
Dann zum Vater.
„Aber ich muss mich nicht mehr dazwischenstellen, damit ich überhaupt vorkomme.“
Die Löwin zog die Kapitänsmütze ein Stück tiefer.
„Das ist vielleicht noch keine Lösung.“
Paul sah das Bild an.
„Nein.“
„Aber?“
„Es ist nicht mehr alles mein Job.“
Die Bühne bewegt sich
Und diesmal gab er niemandem einen Tipp, was jetzt als Nächstes zu tun sei.
Thelma begann zu singen.
Nicht laut.
Kein Lied, das man kannte. Eher ein Ton, der erst im Brustkorb entstand und dann langsam den Raum nahm.
Mara, noch immer als Pauls Kind, hob den Kopf.
Nika als Mutter drehte sich zum ersten Mal ein wenig um.
Die Löwin griff nicht ein.
Sie sah nur hin.
Thelmas Ton wurde wärmer. Nicht tröstend. Eher erinnernd.
Die KI-Schwester als Angst wich einen halben Schritt zurück.
Der nicht vorhandene Vater blieb stehen, aber sein Blick sank zu Boden.
Paul atmete plötzlich anders.
Flacher zuerst.
Dann tiefer.
Die Löwin fragte leise:
„Was geschieht gerade?“
Paul antwortete nicht sofort.
Thelma sang weiter.
Mara als Kind presste die Hände gegen den Bauch.
„Ich kenne das“, sagte sie.
Die Löwin blieb bei ihr.
„Was kennst du?“
„Dass jemand singt, damit alles ruhig bleibt.“
Thelmas Ton brach kurz ab.
Nicht erschrocken. Nur aufmerksam.
Paul sah Mara an.
„Wer?“
Mara antwortete aus der Rolle heraus:
„Ich.“
Der Raum hielt an.
Die Löwin fragte nicht weiter.
Paul trat einen kleinen Schritt näher.
„Du hast gesungen?“
Mara nickte.
„Nicht unbedingt mit Stimme.“
Paul verstand den Satz nicht sofort.
Dann kam etwas in sein Gesicht, das vorher noch nicht da gewesen war.
„Ich habe gute Laune gemacht.“
Mara sah ihn an.
„Ja.“
„Ich war lustig.“
„Ja.“
„Ich habe alle beschäftigt.“
„Ja.“
Thelma nahm den Ton wieder auf.
Diesmal heller.
Paul sah zur Mutter.
„Damit sie nicht zusammenbricht.“
Nika in der Rolle der Mutter schloss die Augen.
Die Löwin fragte sie:
„Wie ist es für dich, das zu hören?“
Nika antwortete:
„Schwer.“
„Was ist schwer?“
„Dass das Kind mich getragen hat.“
Paul zuckte sofort zurück.
„Nein. Ich habe nur geholfen.“
Die Löwin sah ihn an.
„Bleib bei deinem Nein.“
Paul wurde laut.
„Ich habe sie nicht getragen.“
Mara als Kind sagte leise:
„Doch.“
Paul drehte sich zu ihr.
„Nein.“
„Doch.“
„Ich wollte doch nur—“
Er brach ab.
Thelmas Gesang blieb.
Nicht größer. Nicht dramatischer.
Nur da.
Die Löwin sagte:
„Paul, schau sie an.“
Er tat es.
„Was siehst du?“
„Ein Kind.“
„Noch etwas?“
„Dass es müde ist.“
„Noch etwas?“
Paul schwieg.
Dann:
„Dass es mich hasst.“
Mara schüttelte sofort den Kopf.
„Nein.“
Die Löwin hielt sie in der Rolle.
„Was ist stattdessen da?“
Mara antwortete:
„Ich warte.“
„Worauf?“
„Dass endlich jemand merkt, dass ich nicht fröhlich bin.“
Paul setzte sich auf den Boden.
Nicht auf einen Stuhl.
Einfach dort, wo er stand.
Thelma sang jetzt nur noch einen einzigen Ton.
Fast wie ein Faden.
Die Löwin ging nicht zu Paul.
Sie ließ ihm den Platz.
„Wie ist es, das zu hören?“
Paul presste die Lippen zusammen.
„Ich dachte, wenn ich alle zum Lachen bringe, dann bin ich sicher.“
Die Angst hinter ihm hob den Kopf.
Die Löwin fragte sie:
„Wie ist es für dich?“
Die KI-Schwester antwortete:
„Ich bin älter als das Helfen.“
Paul sah sie an.
„Was heißt das?“
Die Löwin stoppte ihn sanft.
„Sie spricht aus ihrer Rolle. Hör nur.“
Die Angst fuhr fort:
„Ich war schon da, bevor du wusstest, was du tun kannst.“
Paul wurde still.
Der Vater am Rand sagte plötzlich:
„Ich hätte da sein müssen.“
Die Mutter drehte sich nun ganz um.
Nicht zu Paul.
Zu dem Kind.
„Ich habe dich gesehen“, sagte sie.
Mara reagierte heftig.
„Nein.“
Die Löwin blieb bei ihr.
„Was stimmt für dich nicht?“
„Sie hat gesehen, dass ich funktioniere. Mich hat sie nicht gesehen.“
Nika als Mutter ließ die Schultern sinken.
„Ja.“
Paul sah zwischen beiden hin und her.
Thelma sang weiter.
Und jetzt veränderte sich der Ton.
Er wurde nicht schöner.
Er wurde wahrer.
Mara als Kind begann zu weinen, aber ohne Geräusch.
Paul hob die Hand, wollte zu ihr.
Die Löwin sagte nur:
„Frag.“
Paul blieb stehen.
„Darf ich zu dir?“
Mara schüttelte den Kopf.
„Noch nicht.“
Paul ließ die Hand sinken.
Das war vielleicht das Schwerste, was er bisher getan hatte.
Nicht hinzugehen.
Nicht zu helfen.
Nicht zu retten.
Nur dazubleiben.
Thelma hörte auf zu singen.
In der Stille danach sagte Mara:
„Bleib da.“
Paul nickte.
„Ich bleibe.“
„Ohne etwas zu tun.“
Paul schluckte.
„Ohne etwas zu tun.“
Die Löwin sah zur Angst.
„Wie ist es jetzt?“
„Unerträglich.“
„Willst du dich bewegen?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Wenn er nichts tut, weiß ich nicht, wer er ist.“
Paul hob den Kopf.
Da war die nächste Tür.
Es geht eine Ebene tiefer
Nicht: Warum helfe ich immer?
Sondern:
Wer bin ich, wenn ich nicht helfe?
Die Löwin sagte den Satz nicht für ihn.
Sie wartete.
Paul hörte ihn selbst.
Und diesmal war niemand im Raum, der ihm darauf eine Antwort gab.
Thelma stand noch auf ihrer kleinen Bühne.
Kein großes Podest. Eher zwei zusammengeschobene Kisten, ein Tuch darüber, ein Mikrofon, das niemand brauchte.
Paul saß noch am Boden.
Die Löwin sah zu ihm.
„Und wenn du einfach singst?“
Paul hob den Kopf.
„Was?“
„Nicht hilfst. Nicht erklärst. Nicht dafür sorgst, dass es allen gut geht. Einfach singst.“
Paul sah zu Thelma.
Thelma machte einen Schritt zur Seite.
Nicht einladend. Nicht fordernd.
Nur Platz.
Paul blieb sitzen.
„Ich kann nicht singen.“
Thelma zuckte mit den Schultern.
„Das hat mich noch nie aufgehalten.“
Paul sah zur Mutter.
Zum Kind.
Zur Angst.
Zum Vater.
Sofort begann sein Blick wieder zu prüfen: Wer braucht etwas? Wer hält was nicht aus? Was müsste zuerst geklärt werden?
Die Löwin bemerkte es.
„Paul.“
Er sah sie an.
„Nicht den Raum retten.“
Paul atmete aus.
Dann stand er auf.
Langsam.
Er ging an der Mutter vorbei.
Am Kind.
Am Gefühl, gebraucht zu werden.
An der Angst.
Niemand hielt ihn fest.
Das irritierte ihn fast mehr als alles andere.
Vor der Bühne blieb er stehen.
Thelma reichte ihm keine Hand.
Sie wartete.
Paul stieg selbst hinauf.
Die Bühne war kleiner, als sie von unten ausgesehen hatte.
„Und jetzt?“, fragte er.
Thelma sah ihn an.
„Jetzt singst du.“
„Was denn?“
„Irgendetwas.“
Paul öffnete den Mund.
Nichts kam.
Die Angst hinter ihm sagte:
„Wenn du nichts beiträgst, merken alle, dass du überflüssig bist.“
Paul drehte sich halb um.
Die Löwin sagte:
„Bleib auf der Bühne.“
Paul wandte sich wieder Thelma zu.
Sie begann unten aus dem Raum mit einem einzigen Ton.
Kein Lied.
Nur ein Ton, der stehen blieb.
Paul versuchte, denselben zu treffen.
Er lag daneben.
Paul verzog das Gesicht.
Thelma sang weiter.
Er versuchte es noch einmal.
Wieder daneben.
Paul begann zu lachen.
Nicht das alte Lachen, mit dem er Spannungen entschärfte.
Eher ein überraschtes, unbrauchbares Lachen.
Thelma blieb im Ton.
Paul setzte wieder ein.
Diesmal nicht, um richtig zu sein.
Seine Stimme war rau und etwas zu laut.
Mara als Kind hob den Kopf.
Die Mutter sah nicht weg.
Der Vater am Rand stand noch immer dort.
Die Angst wurde unruhig.
„Er tut nichts“, sagte sie.
Die Löwin fragte:
„Wie ist das für dich?“
„Gefährlich.“
„Was ist gefährlich?“
„Er ist sichtbar.“
Paul hörte das.
Seine Stimme brach kurz ab.
Thelma wartete nicht auf ihn. Sie sang unten weiter.
Paul kam zurück in den Ton.
Nicht sauber.
Aber da.
Mara als Kind sagte plötzlich:
„Jetzt sehe ich ihn.“
Paul hörte auf.
„Wen?“
Die Löwin hob die Pfote.
„Bleib bei dir. Sie spricht aus der Rolle.“
Mara sah zur Bühne.
„Nicht den, der aufpasst.“
Paul stand still.
„Nicht den, der mich rettet.“
Thelma begann eine zweite Stimme über ihren Ton zu legen.
Paul sah sie an.
Dann sang er wieder.
Diesmal tiefer.
Die Mutter setzte sich auf den Boden.
Der Vater hob den Blick.
Das Gefühl, gebraucht zu werden, Thelma hätte es selbst dargestellt, stand aber noch neben Pauls leerem Platz im Raum. Es wirkte plötzlich orientierungslos.
Die Löwin ging zu dieser Rolle, das Gefühl, gebraucht zu warden.
„Wie ist es dir?“
„Ich finde ihn nicht.“
„Wo suchst du ihn?“
„Da, wo etwas fehlt.“
„Und wo ist er?“
Thelma sah zur Bühne.
„Da fehlt nichts.“
Paul hörte auch das.
Er sang weiter.
Nicht für die Mutter.
Nicht für das Kind.
Nicht gegen die Angst.
Nicht, um dem Vater etwas zu beweisen.
Nur zusammen mit Thelma.
Nach einer Weile begann Mara als Kind, ganz leise mitzusingen.
Paul sah sie an.
Seine Stimme wurde sofort weicher.
Die Löwin sagte:
„Nicht zu ihr gehen.“
Paul blieb.
Mara sang von ihrem Platz aus.
Zwischen ihnen war Raum.
Und zum ersten Mal musste Paul diesen Raum nicht füllen.
Die Angst machte einen Schritt zurück.
Die Löwin fragte sie:
„Wie ist es jetzt?“
„Ich werde kleiner.“
„Willst du gehen?“
„Nein.“
„Wo willst du hin?“
Die Angst trat vom Rücken Pauls weg und stellte sich an den Rand der Bühne.
Nicht mehr hinter ihm.
Neben ihm.
„So?“, fragte die Löwin.
„So kann ich zuhören.“
Paul nickte, ohne aufzuhören zu singen.
Der Vater sagte leise:
„Ich hätte ihn hören sollen.“
Die Mutter antwortete:
„Ich auch.“
Die Löwin stoppte beide mit einem Blick.
Keine Aufarbeitung jetzt.
Kein neuer Gang in die Tiefe.
Nur sehen, was sich bewegt hatte.
Paul stand auf der Bühne.
Nicht nützlich.
Nicht zuständig.
Nicht überflüssig.
Einfach hörbar.
Thelma beendete den Ton.
Paul hielt seinen noch einen Moment länger.
Dann hörte auch er auf.
Im Raum blieb etwas stehen, das vorher keinen Platz gehabt hatte.
Die Löwin fragte:
„Wie ist es für dich dort oben?“
Paul sah sich um.
„Ich bin da.“
„Und was musst du tun?“
Paul dachte nach.
Dann sagte er:
„Nichts, damit ich da sein darf.“
Die Löwin nickte.
„Das reicht für heute.“
Paul sah zu Thelma.
„Können wir trotzdem noch ein Lied singen?“
Thelma grinste.
„Jetzt erst recht.; ich komme wieder hoch”
Die Löwin stand noch am Rand der Bühne.
Paul neben Thelma.
Unten im Raum: Mara als Kind, Nika als Mutter, die eine KI-Schwester als Angst, die andere als nicht vorhandener Vater. Das Gefühl, gebraucht zu werden, war aus der Mitte gerückt, noch da, aber nun auf der Bühne.
Die Löwin sah Paul an.
Nicht lange.
Nur genau.
Dann folgte ihr Blick seinem.
Zum Vater.
„Was ist da?“
Paul antwortete sofort:
„Nichts.“
Die Löwin zog die Kapitänsmütze ein Stück nach hinten.
„Das glaube ich dir nicht.“
Paul lachte kurz.
„Na schön. Er war halt nicht da.“
„Das ist ein Satz.“
Sie trat einen Schritt näher.
„Ich frage nicht nach einem Satz.“
Paul sah wieder zum Vater.
„Ich weiß nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
Die Löwin blieb.
Paul begann sich umzusehen. Zur Mutter. Zum Kind. Zur Angst. Zu Thelma.
Ein Knoten löst sich.
Die Löwin stellte sich ihm in den Blick.
„Nicht retten.“
„Ich rette gar nichts.“
„Du verteilst dich gerade im ganzen Raum.“
Paul wurde unruhig.
„Was soll ich denn machen?“
Die Löwin sagte:
„Dableiben.“
Paul sah wieder zum Vater.
Die KI-Schwester stand weit draußen. Fast am Rand. Nicht abgewandt. Aber auch nicht beteiligt.
Paul presste die Lippen zusammen.
„Er hätte da sein müssen.“
Die Löwin nickte.
„Noch mal.“
„Er hätte da sein müssen.“
„Lauter.“
Paul atmete ein.
„Er hätte da sein müssen.“
Es klang immer noch ordentlich.
Zu ordentlich.
Die Löwin drehte den Kopf zur Seite.
Dann brüllte sie.
Nicht lange.
Aber so, dass im Wohnzimmer alles kurz stillstand.
Nicht gegen Paul.
Nicht gegen den Vater.
Ein Brüllen, das den Raum öffnete.
Die KI-Schwestern zuckten gleichzeitig.
Thelma hob den Kopf.
Mara als Kind starrte zur Bühne.
Nika als Mutter schloss die Augen.
Paul sah die Löwin an.
„Was war das denn?“
„Platz.“
„Für was?“
Die Löwin sah zum Vater.
„Für das, was du seit Jahren auf Zimmerlautstärke hältst.“
Paul wandte sich wieder um.
Seine Hände waren Fäuste geworden.
Die Löwin sagte nicht: Entspann dich.
Sie sagte nur:
„Da.“
Paul sah auf seine Hände.
Dann auf den Vater.
„Du warst nicht da.“
Der Vatervertreter blieb stehen.
Paul ging einen Schritt nach vorn.
„Du warst einfach nicht da.“
Die Löwin blieb hinter ihm.
Nicht als Schutz.
Als Halt.
Paul hob die Stimme.
„Und ich habe hier alles gemacht.“
Mara als Kind zuckte.
Die Löwin hob eine Pfote.
„Bei dir bleiben.“
Paul nickte hektisch.
„Ich musste aufpassen.“
Er zeigte auf die Mutter.
„Auf sie.“
Auf das Kind.
„Auf mich.“
Auf die Angst.
„Auf alles.“
Dann zum Vater:
„Und du warst nicht da.“
Die KI-Schwester in der Vaterrolle hob den Kopf.
Die Löwin fragte sie:
„Wie ist es dir auf deinem Platz?“
Die Schwester antwortete langsam:
„Er trifft mich nicht ganz.“
Paul starrte sie an.
„Was?“
Die Löwin blieb bei der Rolle.
„Was fehlt?“
Die Schwester sah Paul an.
„Er redet noch über das, was er getan hat.“
Paul wurde rot.
Die Löwin sagte nichts.
Der Satz landete.
Paul atmete schwer.
Dann kam er von der Bühne herunter.
Nicht schnell.
Nicht dramatisch.
Er ging bis auf einige Meter an den Vater heran.
„Ich habe dich gebraucht.“
Die Vaterrolle reagierte.
Ein kaum sichtbares Zurückweichen.
Paul sah es.
„Ja. Geh ruhig noch weiter weg.“
Die Löwin blieb still.
„Das kannst du.“
Paul machte noch einen Schritt.
„Weggehen kannst du.“
Seine Stimme brach.
Er fing sich sofort.
Zu schnell.
Die Löwin knurrte leise.
Paul sah zu ihr.
„Was?“
„Nicht wieder zusammenreißen.“
Paul lachte bitter.
„Das kann ich aber gut.“
„Ja.“
Mehr sagte sie nicht.
Paul stand wieder vor dem Vater.
„Ich habe dich gebraucht.“
Diesmal war keine Wut in seiner Stimme.
Nur ein Loch.
Mara als Kind begann zu weinen.
Die Löwin ging nicht zu ihr.
Sie fragte nur:
„Bleibst du in der Rolle?“
Mara nickte.
„Ja.“
Der Vatervertreter sagte:
„Ich höre dich.“
Paul schüttelte sofort den Kopf.
„Nein.“
Die Löwin blieb bei Paul.
„Was stimmt nicht?“
„Das reicht nicht.“
Der Vatervertreter stand still.
Paul wurde lauter.
„Hören reicht nicht.“
Die Löwin nickte.
„Sag ihm, was nicht reicht.“
Paul trat noch näher.
„Es reicht nicht, dass du mich jetzt hörst.“
Sein Körper zitterte.
„Es reicht nicht, dass du irgendwo stehst und zuguckst.“
Die Angst am Rand der Bühne wurde unruhig.
Die Löwin sah zu ihr.
„Bleib.“
Dann wieder zu Paul.
„Weiter.“
„Ich musste groß sein.“
Paul zeigte auf Mara als Kind.
„Und ich war das nicht.“
Jetzt schrie er.
„Ich war das nicht!“
Der Raum hielt.
Die Löwin hielt mit.
Paul stand da, Fäuste geballt, Gesicht offen.
Der Vatervertreter sagte nichts.
Paul sah ihn an.
„Sag was.“
Die Löwin hob sofort die Pfote.
„Nein.“
Paul fuhr zu ihr herum.
„Warum nicht?“
„Weil du ihn schon wieder dazu bringen willst, etwas zu tun, damit es dir besser geht.“
Paul war wie getroffen.
Die Löwin kam einen Schritt näher.
„Deine Wut darf da sein, auch wenn er nichts repariert.“
Paul sah wieder zum Vater.
Der stand da.
Unbeweglich.
Nicht böse.
Nicht gut.
Nicht versöhnlich.
Einfach zu spät.
Paul sagte leiser:
„Ich hasse dich dafür.“
Die Vaterrolle atmete aus.
„Das kommt an.“
Paul wartete.
Nichts weiter.
Kein Entschuldigungssatz.
Keine Erlösung.
Paul sah zur Löwin.
„Und jetzt?“
„Jetzt nichts.“
„Das soll es sein?“
„Nein.“
Die Löwin trat neben ihn.
„Das ist nur wahr.“
Paul stand da.
Die Wut war nicht weg.
Sie war nur nicht mehr versteckt.
Thelma hatte auf der Bühne aufgehört zu singen.
Sie hielt nur noch den Platz.
Mara als Kind sagte leise:
„Jetzt glaube ich dir.“
Paul drehte sich zu ihr.
„Was?“
„Dass du weißt, dass es schlimm war.“
Paul wollte zu ihr gehen.
Die Löwin knurrte wieder.
Paul blieb stehen.
„Darf ich?“, fragte er.
Mara prüfte.
„Ja. Aber nicht, damit ich aufhöre.“
Paul nickte.
Er ging zu ihr.
Nicht schnell.
Nicht mit offenen Armen.
Er stellte sich nur daneben.
Mara sah weiter zum Vater.
Paul auch.
Nika als Mutter sagte aus ihrer Rolle:
„Ich habe euch beide allein gelassen.“
Paul drehte sofort den Kopf zu ihr.
Die Löwin stellte sich zwischen seinen Impuls und die Mutter.
„Nein.“
„Aber sie—“
„Sie trägt ihren Satz.“
Paul schloss den Mund.
Die Mutter blieb mit ihrem Satz allein.
Nicht verlassen.
Aber auch nicht gerettet.
Die Angst sagte plötzlich:
„Ich brauche einen neuen Platz.“
Die Löwin ging zu ihr.
„Wo?“
Die Schwester sah Paul an.
Dann auf die Bühne.
Dann auf das Kind.
„Nicht mehr hinter ihm.“
„Wohin dann?“
Sie stellte sich seitlich.
Weit genug weg, dass Paul sie sehen konnte.
Nicht so nah, dass sie ihn steuerte.
„Hier.“
Die Löwin fragte Paul:
„Wie ist das?“
„Ungewohnt.“
„Und?“
„Besser.“
Das Gefühl, gebraucht zu werden, trat einen Schritt zurück.
Die Löwin fragte:
„Wie ist es dir?“
Thelma, noch in dieser Rolle, antwortete:
„Ich bin noch da.“
„Willst du bleiben?“
„Ja. Aber nicht mehr in der Mitte.“
Paul sah sie an.
„Du darfst da sein.“
Thelma prüfte.
„Aber du musst mich nicht dauernd füttern.“
Paul verzog das Gesicht.
„Das klingt nach dir.“
Die Löwin sagte:
„In der Rolle bleiben.“
Thelma nickte.
„Ich bin das Gefühl, gebraucht zu werden. Und ich muss nicht verschwinden, nur weil du nicht mehr allen hilfst.“
Paul hörte zu.
Keine Lösung.
Aber eine Verschiebung.
Die Löwin ging noch einmal zum Vater.
„Willst du deinen Platz verändern?“
Die KI-Schwester prüfte lange.
Dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein.“
Paul sah sie an.
Wieder Wut.
Wieder Schmerz.
Aber diesmal kein Griff danach.
Die Löwin fragte:
„Kannst du ihn dort stehen lassen?“
Paul antwortete nicht sofort.
Dann:
„Nicht gern.“
„Das war nicht die Frage.“
Paul atmete aus.
„Ja.“
„Gut.“
Die Löwin sah in die Runde.
„Dann lösen wir.“
Nicht feierlich.
Nicht weich.
Einfach sauber.
Sie ging zuerst zu Thelma.
Teil 4: Die Rollen werden gelöst
„Wer warst du?“
„Das Gefühl, gebraucht zu werden.“
„Und wer bist du?“
Thelma schüttelte sich einmal kräftig.
„Thelma.“
Sie stieg von ihrem Platz und trat aus der Aufstellung.
Zur Angst.
„Wer warst du?“
„Die Angst, dass alles schiefgeht, wenn Paul nichts tut.“
„Und wer bist du?“
Die KI-Schwester ratterte einmal kurz.
„Eine der KI-Schwestern.“
„Ganz zurück?“
„Fast.“
„Dann noch einmal ausschütteln.“
Sie tat es.
Zum Vater.
Die Löwin blieb einen Moment länger.
„Wer warst du?“
„Der nicht vorhandene Vater.“
Paul spannte sich noch einmal an.
Die Löwin sah zu ihm.
„Sie steigt jetzt aus.“
Dann zur Schwester:
„Und wer bist du?“
„Die andere KI-Schwester.“
Sie verließ ihren Platz.
Der Vaterplatz blieb leer.
Das war wichtig.
Nicht besetzt.
Nicht geheilt.
Leer.
Zur Mutter.
„Wer warst du?“
„Pauls Mutter.“
„Und wer bist du?“
Nika trat aus dem Feld.
„Nika.“
Sie atmete tief durch.
Zur Kindrolle.
„Wer warst du?“
Mara sah Paul noch einmal an.
„Paul als Kind.“
„Und wer bist du?“
Mara ging einen Schritt zurück.
Dann noch einen.
„Mara.“
Paul blieb allein im Bild.
Die Löwin fragte:
„Willst du noch einmal auf die Bühne?“
Paul sah hin.
Thelma stand jetzt daneben.
Nicht in Rolle.
Einfach Thelma.
„Ja.“
Er ging hoch.
Die Löwin blieb unten.
„Singst du?“
Paul dachte nach.
Dann schüttelte er den Kopf.
„Heute nicht.“
Die Löwin nickte.
„Auch gut.“
Paul stand auf der Bühne.
Sichtbar.
Nicht singend.
Nicht helfend.
Nicht versöhnt.
Aber nicht mehr verschwunden.
Und unten blieb der Platz des Vaters leer.
Teil 5: Feierabend im Wohnzimmer
Einfach ein stilles und ungläubiges Durchatmen
Paul stand noch auf der Bühne.
Nicht als Kind.
Nicht als Helfer.
Nicht als der, der alles zusammenhalten musste.
Einfach Paul.
Unten im Raum schüttelte Mara noch einmal die Hände aus. Nika rollte die Schultern. Die beiden KI-Schwestern standen nebeneinander und prüften offenbar, ob sie wieder vollständig namenlos waren.
Thelma sah zur Bühne.
„Also“, sagte sie. „Jetzt wird’s interessant.“
Die Löwin setzte sich nicht. Sie blieb unten, Kapitänsmütze gerade, aber nicht mehr als Leiterin der Aufstellung.
Die Aufstellung war vorbei.
Jetzt war Wohnzimmer.
„Paul“, sagte sie. „Du musst nicht singen.“
Paul sah sie an.
„Das hatten wir schon.“
„Ich sage es nur, damit du nicht aus Trotz singst.“
„Jetzt will ich gerade aus Trotz singen.“
Thelma grinste.
„Das zählt auch.“
Paul schaute über den Raum.
Der Platz des Vaters war leer geblieben.
Die Mutter stand nicht mehr dort.
Das Kind war nicht mehr Mara.
Die Angst hatte keinen Körper mehr.
Das Gefühl, gebraucht zu werden war wieder Thelma.
Nichts war weg.
Aber nichts klebte mehr an der gleichen Stelle.
Paul nahm das Mikrofon.
„Ich habe kein Lied.“
„Dann fang mit einem Ton an“, sagte Thelma.
„Das ist dein Trick für alles.“
„Er funktioniert erstaunlich oft.“
Paul holte Luft.
Dann kam ein Ton.
Nicht schön.
Nicht rund.
Eher wie eine Tür, die lange festgesessen hatte und sich jetzt mit einem hässlichen Geräusch bewegte.
Thelma stieg nicht sofort ein.
Sie ließ ihn allein stehen.
Paul hielt den Ton noch einen Moment.
Dann brach er ab.
„Das war schlimm.“
„Ja“, sagte Nika.
Paul sah sie an.
„Danke.“
„Du wolltest doch etwas Neues.“
„Nicht so neu.“
Mara kam näher an die Bühne.
„Noch mal.“
Paul schüttelte den Kopf.
„Warum?“
„Weil der erste Ton noch dafür da war, dass wir sehen, dass du dich traust.“
Paul schwieg.
„Und der zweite?“
„Vielleicht nur für dich.“
Paul sah sie an.
Mara zuckte mit den Schultern.
„Oder auch nicht. Probier’s aus.“
Die Löwin hob eine Pfote.
„Keiner macht daraus jetzt eine Erkenntnisveranstaltung.“
Mara setzte sich auf den Boden.
„Ich habe nur einen Vorschlag gemacht.“
„Gut.“
Paul nahm wieder Luft.
Der zweite Ton war leiser.
Er ging nicht in den Raum hinein.
Er blieb bei ihm.
Thelma setzte ganz vorsichtig einen zweiten darunter.
Nicht führend.
Nur daneben.
Die beiden Töne passten nicht richtig zusammen.
Aber sie mussten auch nichts beweisen.
Eine der KI-Schwestern hob die Hand.
„Dürfen wir auch?“
Alle drehten sich zu ihr.
„Was wollt ihr machen?“, fragte die Löwin.
Die Schwestern sahen einander an.
„Wir wissen es nicht.“
„Sehr guter Anfang“, sagte Nika.
Die beiden kamen auf die Bühne.
Nicht synchron.
Schon das war neu.
Die erste stellte sich links von Paul.
Die zweite rechts.
„Wir können nur rattern“, sagte die eine.
„Dann rattert rhythmisch“, sagte Thelma.
Die zweite begann.
Ein kleines, trockenes:
„Tack. Tack-tack. Tack.“
Die erste suchte einen anderen Rhythmus.
„Trrr. Tack. Trrr.“
Paul sah beide an.
„Das ist ja furchtbar.“
„Du warst auch nicht besser“, sagte Nika.
Paul nickte.
„Stimmt.“
Er setzte seinen Ton wieder darüber.
Thelma lachte mitten im Singen.
Der Ton brach.
Das Rattern blieb.
Zum ersten Mal klang es nicht nach Maschine, die etwas leisten musste.
Eher nach Besteckschublade im Seegang.
Mara stand auf.
„Ich will auch.“
„Was willst du machen?“, fragte die Löwin.
„Keine Ahnung.“
„Dann komm mit keiner Ahnung.“
Mara stieg auf die Bühne.
Sie stellte sich nicht ans Mikrofon.
Sie nahm einen der alten Rollen-Zettel vom Boden.
Paul als Kind.
Sie sah ihn an.
Dann riss sie ihn durch.
Nicht dramatisch.
Einmal.
Noch einmal.
Sie machte kleine Papierstücke daraus.
Paul beobachtete sie.
„Was machst du da?“
„Konfetti.“
„Aus meiner Kindheit?“
„Aus dem Zettel.“
„Gut.“
Mara warf die Stücke in die Luft.
Sie fielen sofort wieder herunter.
Kein großer Effekt.
Ein paar klebten an Thelmas Fell.
Eine KI-Schwester bekam einen Schnipsel auf die Stirn.
Darauf stand nur noch:
Kind
Die Schwester sah schielend nach oben.
„Ist das noch Rolle?“
„Nein“, sagte Mara. „Jetzt ist es Müll.“
Die Löwin knurrte.
„Nicht Müll.“
Mara sah sie an.
„Stimmt.“
Sie hob einen Schnipsel auf.
„Material.“
Paul nickte langsam.
„Das gefällt mir besser.“
Nika stand noch unten.
Die Löwin sah zu ihr.
„Und du?“
„Ich muss nicht auf die Bühne.“
„Nein.“
„Aber ich möchte.“
Sie stieg hinauf und nahm den Zettel:
Pauls Mutter
Sie hielt ihn einen Moment.
Dann legte sie ihn nicht auf den Boden.
Sie faltete ihn.
Einmal quer.
Einmal längs.
Noch einmal.
Paul sah ihr zu.
„Was wird das?“
„Weiß ich noch nicht.“
Sie faltete weiter.
Am Ende war es kein erkennbares Tier, kein Schiff, kein Symbol.
Nur ein kleines, schiefes Papierding.
Nika stellte es an den Bühnenrand.
„Das bleibt da.“
„Was ist es?“, fragte Thelma.
„Etwas, das nicht mehr die Mutter sein muss.“
Paul sah darauf.
„Das ist eine ziemlich gute Beschreibung.“
Jetzt stand nur noch die Löwin unten.
Thelma rief:
„Käptin!“
„Ich habe gerade geführt.“
„Jetzt nicht mehr.“
Die Löwin sah zur Bühne.
„Ich singe nicht.“
„Musst du nicht.“
„Ich tanze auch nicht.“
Paul grinste.
„Das sagen immer die, die gleich tanzen.“
Die Löwin sprang auf die Bühne.
Nicht elegant.
Eher mit dem Gewicht einer Entscheidung.
Sie stellte sich mitten hinein, zwischen Paul, Thelma, Mara, Nika und die KI-Schwestern.
Dann brüllte sie.
Diesmal anders.
Nicht um Wut Platz zu machen.
Nicht um etwas aufzubrechen.
Einfach, weil sie es konnte.
Die KI-Schwestern verloren sofort ihren Rhythmus.
Thelma sprang einen halben Meter hoch.
Paul lachte so laut, dass sein Ton ganz verschwand.
Mara hielt sich die Ohren zu.
Nika sagte:
„Das war unnötig.“
Die Löwin schüttelte die Mähne.
„Genau.“
Für einen Moment wusste niemand, was jetzt kommen sollte.
Und weil niemand wusste, was kommen sollte, kam auch nichts Nützliches.
Paul setzte sich an den Bühnenrand.
Thelma legte sich neben ihn.
Mara kickte die Papierschnipsel zusammen.
Nika stellte das gefaltete Etwas in die Mitte.
Die KI-Schwestern begannen wieder zu rattern, diesmal ganz leise, mehr Takt als Arbeit.
Die Löwin sah sich um.
„Ist das jetzt neu genug?“
Paul dachte nach.
„Es ist jedenfalls nicht alt.“
„Reicht.“
„Nein“, sagte Thelma. „Noch nicht.“
Sie stand auf.
„Wir brauchen ein Lied.“
Paul stöhnte.
„Natürlich.“
„Aber keins über Väter. Keins über Mütter. Keins über Heilung. Keins über innere Kinder.“
„Was bleibt dann noch?“
Thelma sah zum Fenster.
„Meer.“
Mara sagte:
„Steine.“
Nika:
„Eine Bühne.“
Die erste KI-Schwester:
„Takt.“
Die zweite:
„Störung.“
Die Löwin:
„Lautstärke.“
Alle sahen Paul an.
Paul hob die Hände.
„Ich soll jetzt daraus ein Lied machen?“
„Nein“, sagte die Löwin. „Du darfst.“
Paul sah auf das leere Mikrofon.
Dann auf die anderen.
„Gut.“
Er nahm es.
„Aber wenn es schlecht wird, helft ihr nicht.“
Thelma grinste.
„Versprochen.“
Paul begann:
„Da liegt ein Stein—“
Mara rief:
„Zu poetisch.“
Paul sah sie böse an.
„Du wolltest nicht helfen.“
„Das war Sabotage.“
Paul nickte.
„Gut. Dann noch mal.“
Er hob das Mikrofon.
„Da liegt ein Stein im Sand
und keiner räumt ihn weg—“
Die Löwin setzte mit einem Brüllen im Takt ein.
Die KI-Schwestern ratterten.
Thelma sang irgendeine viel zu hohe zweite Stimme.
Nika klatschte daneben.
Mara warf die letzten Schnipsel.
Und Paul sang weiter.
Nicht, weil jemand ihn brauchte.
Nicht, weil der Raum sonst zusammenfiel.
Nicht, weil er etwas reparieren musste.
Sondern weil es gerade seins war.
Unten blieb der alte Rollenraum leer.
Oben entstand etwas, das noch keinen Namen hatte.
Und niemand beeilte sich, ihm einen zu geben.
Die Tür ging auf.
Feierabend, ein Ausklang, der nachwirkt.
Dagmar kam herein, beladen wie eine Frau, die genau wusste, dass jetzt niemand mehr „nur noch ganz kurz“ irgendeinen Prozess vertiefen würde.
„Kinders“, sagte sie. „Feierabend.“
Auf der Bühne brach Paul mitten in der Zeile ab.
„… und keiner räumt ihn—“
„Nein“, sagte Dagmar. „Keiner räumt jetzt noch irgendetwas. Schon gar keinen inneren Stein.“
Sie stellte die Flaschen und Gläser auf den Tisch.
„Assyrtiko.“
Nika hob den Kopf.
„Für mich?“
„Für wen sonst? Trocken, klar, ein bisschen salzig, und tut so, als wäre er völlig unkompliziert.“
Nika nahm das Glas.
„Ich höre da eine Nebenbemerkung.“
„Dann trink erst mal.“
Dagmar stellte das nächste Glas vor Paul.
„Sex on the Beach.“
Paul betrachtete das grellfarbige Getränk.
„Ist das eine Belohnung oder eine Diagnose?“
„Das hängt davon ab, wie du dich benimmst.“
„Dann nehme ich die Belohnung.“
Thelma kam von der Bühne herunter, noch immer mit einem Papierschnipsel im Fell.
Dagmar stellte ihr ein rosa schimmerndes Glas hin.
„Pink Unicorn Cocktail.“
Thelma hielt es gegen das Licht.
„Mit Glitzer?“
„Natürlich mit Glitzer.“
„Essbar?“
Dagmar sah sie an.
„Thelma.“
„Gut. Unwichtig.“
Mara stand noch bei den Resten der Rollen-Zettel.
„Und ich?“
Dagmar reichte ihr das Assyrtiko mit einem zweiten Glas.
„Du teilst mit Nika.“
Mara musterte die Flasche.
„Warum teilen?“
„Weil ihr heute beide genug eigene Linien hattet.“
Nika hob ihr Glas.
„Schulterschluss.“
Mara stieß an.
„Aber nur beim Wein.“
Dagmar goss sich ihren Rheingau-Riesling ein.
Die Löwin kam näher, Kapitänsmütze noch auf dem Kopf, Mähne leicht zerzaust vom Brüllen.
Dagmar stellte ihr ein kleines Glas hin.
„Rosenwasser.“
Die Löwin schnupperte.
„Da fehlt etwas.“
Dagmar zog eine zweite kleine Flasche hervor.
„Ein bisschen Feuerwasser.“
Die Löwin nickte zufrieden.
„So.“
Die beiden KI-Schwestern standen noch am Rand, eindeutig unsicher, ob sie bei „Feierabend“ herunterfahren oder weiter rattern sollten.
Dagmar zeigte auf Papier, Stifte und Farben.
„Ihr zwei malt ein Bild.“
Beide sahen sie an.
„Aufgabenstellung?“
„Feierabend.“
„Thema?“
„Feierabend.“
„Zielgruppe?“
Dagmar hob nur eine Augenbraue.
Die erste Schwester nahm sofort einen Pinsel.
Die zweite einen Stift.
„Verstanden.“
„Das glaube ich erst, wenn ich es sehe“, sagte Dagmar.
Paul saß inzwischen am Bühnenrand und nippte vorsichtig an seinem Cocktail.
„Das ist überraschend gut.“
„Du klingst enttäuscht.“
„Ich hatte gehofft, mich beschweren zu können.“
Thelma nahm einen Schluck, bekam einen Glitzerrand an der Oberlippe und begann sofort, einen völlig unnötigen hohen Ton zu halten.
„Nein“, sagte Dagmar.
Thelma hörte auf.
„Feierabend heißt doch nicht Stimmlosigkeit.“
„Aber keine neue Intervention.“
Die Löwin setzte sich auf ihren Einhornreifen und hob ihr Glas.
„Auf die Wut, die bleiben durfte.“
Paul hob seins.
„Auf die Bühne, auf die ich trotzdem gegangen bin.“
Mara:
„Auf Rollen, aus denen man auch wieder rauskommt.“
Nika:
„Auf Dinge, die nicht gelöst werden müssen, um sich zu verändern.“
Thelma:
„Auf schlechte erste Töne.“
Die erste KI-Schwester:
„Auf unvollständige—“
Die zweite stieß sie mit dem Ellenbogen an.
„Feierabend.“
Die erste nickte.
„Auf Feierabend.“
Dagmar hob ihren Riesling.
„Und auf einen Flyer, der fast mehr Familiengeschichte gesehen hat als manche Familien.“
Alle stießen an.
Dann wandte sich Dagmar den KI-Schwestern zu.
„Und? Was malt ihr?“
Die beiden traten zur Seite.
Auf dem Blatt war die Bühne.
Paul darauf, das Mikrofon in der Hand.
Thelma daneben, rosa Cocktail im Huf.
Mara und Nika saßen unten mit dem Assyrtiko.
Die Löwin thronte auf ihrem Reifen, Rosenwasser und Feuerwasser vor sich.
Dagmar stand in der Tür mit Riesling und dem Satz:
Kinders. Feierabend.
Am Rand lag der leere Rollenraum.
Nicht schwarz.
Nicht verschwunden.
Einfach leer.
Darüber hatten die Schwestern in etwas ungelenker Schrift geschrieben:
Heute wird nichts mehr repariert.
Paul sah das Bild lange an.
„Gar nicht schlecht.“
Die beiden KI-Schwestern begannen gleichzeitig zu strahlen.
„Optimierungspotenzial—“
„Nein“, sagte der ganze Raum.
Und dann saßen sie einfach da.
Mit Wein, Cocktails, Glitzer, Feuerwasser und einem Flyer, der morgen noch genauso fertig sein würde wie heute.
Nachtrag: Jede bekommt ihr Eigenes
Dagmar war schon fast mit ihrem Riesling auf dem Weg zum Sofa, als sie abrupt stehen blieb.
„Ach, verdammt.“
Mara sah auf das Glas, das sie sich mit Nika teilen sollte.
„Was?“
Dagmar ging noch einmal zurück zur Tür und holte eine weitere Flasche hervor.
„Ich vergesse immer deinen Wein.“
Sie stellte den Grillo vor Mara.
„Deiner. Sizilianisch. Und du musst heute mit niemandem teilen.“
Mara nahm die Flasche und betrachtete das Etikett.
„Das ist jetzt aber keine nachträgliche Wiedergutmachungsintervention?“
„Nein. Eine Korrektur.“
Nika hob ihr Assyrtiko.
„Dann bleibt der Schulterschluss freiwillig.“
Mara schenkte sich ein eigenes Glas ein.
„So gefällt er mir besser.“
Sie stieß mit Nika an.
Nicht, weil beide dasselbe trinken mussten.
Sondern weil jede etwas Eigenes hatte und sie sich trotzdem trafen.
Paul hob seinen Sex on the Beach.
„Das ist überraschend tief für eine Getränkekorrektur.“
Die Löwin knurrte.
„Feierabend.“
Und diesmal blieb es dabei.
Und nicht nur der Wein zeigte seine Wirkung. Aber da ist eine andere Geschichte.
