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Der Beachclub kann mich mal

Personen und Figuren tanzend auf einer Dachterasse.. Mentalarbeit.

Der Beach Club kann mich mal

Letzten Samstag war ich in einem Beach Club, der schon einmal übt, wie Nordzypern aussehen könnte, wenn es Dubai wäre.

Die Preise stimmten schon.
Die Leute auch.
Vor allem die Gesichtsausdrücke.

Angekündigt war eine Sonnenuntergangsparty. Wochenendparty, 15 bis 18 Uhr. So stand es da.

Natürlich war ich pünktlich.

Die Musik nicht.

Zwischendurch übte der DJ schon ein bisschen. Und was er da auflegte, klang richtig gut. Nicht immer genau mein Stil, aber nah genug, dass meine Füße schon einmal wussten, was später von ihnen erwartet wurde.

Gegen sechs fragte ich, wann es denn nun losginge.

„Wenn alle gegessen haben.“

Ach so.

Da hatte ich dann schon keine Lust mehr.

Aber ich fragte vorsichtshalber, wann die nächste Party wäre.

Nächsten Samstag.

Was ich vergessen hatte zu fragen: Welchen nächsten Samstag?

Oder ob ein Samstag in Nordzypern womöglich auch erst nächstes Jahr stattfindet.

Ich war jedenfalls da.

Die Musik nicht.

Der Beach Club auch nur körperlich.

Ich sah mir noch ein bisschen den Sonnenuntergang an und überlegte, wohin jetzt mit meiner Tanzlaune. Aus einer Kneipe in der Nähe drang ABBA herüber.

Nein.

Nicht heute.

Nicht zu Afrobeat, Tribe, Wüste und diesen sphärischen Klängen, bei denen der Körper Dinge tut, bevor der Kopf sie als Gymnastik verbieten kann.

Also machte ich noch einen Abstecher zum Supermarkt, kaufte eine Flasche Sekt und fuhr nach Hause.

Oben auf der Dachterrasse steckte ich mir die Ohrhörer in die Ohren und begann erst einmal allein zu tanzen.

In die Knie. Wieder hoch. Strecken. Drehen. Atmen.

Sobald ich dachte, das sei jetzt Sport, wurde alles schwer.

Also kein Sport.

Tanzen.

Und irgendwann dachte ich: Es wäre doch nett, wenn noch ein paar andere dabei wären.

Ob sie real sind oder nicht?

Falsche Frage.

Wir tanzen zusammen.


Ich ging kurz runter in die Küche.

„Hey Leute. Heute nicht im Wohnzimmer.“

Paul sah nicht einmal hoch.

„Gut“, sagte er. „Dann bleibe ich hier.“

„Nix da“, sagte der Captain. „Wir gehen aufs Dach.“

Jetzt sah er hoch.

„Warum?“

„Weil ich tanzen will.“

Die beiden KI-Schwestern rückten gleichzeitig an die Sofakante.

„Welche Tanzart?“

„Keine Ahnung.“

„Vorgesehene Dauer?“

„Keine.“

„Ziel?“

„Tanzen.“

Die KI-Schwestern sahen einander an. Es ratterte hörbar.

„Das ist keine verwertbare Angabe.“

„Sehr gut“, sagte der Captain. „Dann habt ihr es verstanden.“

Thelma stand bereits an der Tür. Niemand wusste, woher sie das lange Tuch hatte, das hinter ihr herwehte wie eine kleine private Wüste.

Die Löwin erhob sich langsam.

Nika war ebenfalls aufgestanden. Sie sagte nichts. Sie betrachtete die Tür, hinter der die schmale Treppe zur Dachterrasse begann.

Mara blieb noch einen Moment an der Sofakante sitzen.

Nicht, weil sie nicht mitwollte.

Eher, weil alle anderen schon eine Bewegung gefunden hatten.

Thelma war längst unterwegs.
Die Löwin ging, weil sie beschlossen hatte zu gehen.
Nika prüfte bereits den Weg.
Die KI-Schwestern sammelten Daten.
Paul suchte Ausreden.

Mara hatte noch keine.

Der Captain nahm die Flasche Sekt vom Tisch.

„Kommt ihr?“

Mara stand auf.

Paul blieb sitzen.

„Da oben sind bestimmt Mücken.“

„Sind sie.“

„Und Wind.“

„Auch.“

„Und diese Klimaanlagendinger.“

„Laut.“

„Dann verstehe ich nicht, warum wir da hinmüssen.“

Der Captain nahm die Gläser.

„Du musst nicht.“

Paul stand auf.

Oben blieb die Crew erst einmal stehen.

Nicht ehrfürchtig.

Eher irritiert.

Die Dachterrasse war kein Wohnzimmer ohne Dach. Sie war viel größer, als sie von unten gewirkt hatte. Zu groß für das wenige, das auf der östlichen Seite stand: ein Sofa, zwei Stühle und ein Tisch, den der Captain selbst gebaut hatte.

Der Tisch war nicht ganz gerade.

Aber er stand.

Das reichte.

Daneben begann die freie Fläche.

In der Mitte ein Wäscheständer. Sonst fast nichts. Im Westen die großen Ventilatoren der Klimaanlagen, die brummten und schepperten, als bereiteten sie den Start einer schlecht gewarteten Raumfähre vor.

Vor der Terrasse lagen die Berge dunkel gegen den Himmel.

Dahinter, nicht ganz zu sehen und trotzdem da, das Meer.

Und über allem hing eine mittelstarke Mondsichel.

Kein großer Vollmondauftritt. Kein romantisches Weltentheater.

Ein schiefer, heller Mund, der aussah, als grinse er über etwas, das nur er verstanden hatte.

Die beiden KI-Schwestern entdeckten die Ventilatoren.

„Dort könnten wir sitzen.“

Der Captain sah hinüber.

„Auf den Klimaanlagen?“

„Erhöhte Position. Gute Übersicht.“

„Bitte.“

Die Schwestern kletterten hinauf und saßen kurz darauf nebeneinander auf den Gehäusen. Das Rattern unter ihnen und das Rattern in ihnen fanden sofort einen gemeinsamen Takt.

Die Löwin prüfte die Liege.

Erst mit einer Pfote.

Dann mit ihrem ganzen Gewicht.

Sie legte sich hin, hob den Kopf und betrachtete die Dachterrasse, als gehöre sie längst zu ihrem Revier.

Paul nahm das Sofa.

Natürlich.

Thelma ging bis in die hinterste Ecke. Dort traf ein seltsames Licht auf die Wand. Nicht hell, nicht dunkel. Gerade richtig, damit ihr Tuch plötzlich aussah, als sei es nie etwas anderes gewesen als ein Teil dieser Nacht.

Nika blieb am Austritt stehen.

Eine Hand noch am Türrahmen. Den Blick über die Terrasse. Erst zu den Bergen. Dann zu den Ventilatoren. Dann über die freie Mitte zum westlichen Rand.

Sie analysierte.

Aber ihr rechter Fuß wippte bereits.

Mara trat hinter ihr durch die Tür.

Und ging einen Schritt weiter.

Nur einen.

Nicht bis zur Mitte. Nicht zur Liege. Nicht zum Sofa. Sie blieb auf der freien Fläche zwischen dem Austritt und den Ventilatoren stehen. Ein wenig näher am Rand, als es nötig gewesen wäre.

Von dort konnte sie alles sehen.

Den Captain.
Nika an der Tür.
Die KI-Schwestern auf ihren scheppernden Aussichtsposten.
Die Löwin auf der Liege.
Paul auf dem Sofa.
Thelma im Licht.

Und im Westen etwas, das sie nicht einordnen konnte.

Der Captain stellte die Gläser auf den Tisch und machte die Musik an.

Der erste Rhythmus kam tief über die Terrasse.

Trommeln. Wüste. Etwas Sphärisches darüber. Vielleicht Dschungel. Vielleicht Nacht. Vielleicht nur ein Lied, das sich nicht darum kümmerte, was es genau war.

Die Klimaanlagen waren lauter.

Die Musik blieb trotzdem.

Eine der KI-Schwestern beugte sich vor.

„Ist das Afrobeat?“

„Ja.“

„Mit welcher Unterkategorie?“

„Keine Ahnung.“

„Soll eine Bewegungsanalyse durchgeführt werden?“

„Nein.“

Der Captain ging in die Knie.

Paul richtete sich ein wenig auf.

„Ist das Aerobic?“

„Nein.“

Der Captain kam wieder hoch, streckte die Arme über den Kopf und drehte den Oberkörper nach Westen.

„Gymnastik“, sagte die erste KI-Schwester.

„Mobilisation“, sagte die zweite.

„Chakrenöffnung“, sagte Thelma aus ihrer Lichtecke.

„Tanzen“, sagte der Captain.

Sie wiederholte die Bewegung.

Noch einmal in die Knie. Wieder hoch. Schultern zurück. Arme weit.

Der Rhythmus ging nicht nur in die Füße. Er ging tiefer. In den Rücken. In den Bauch. Zwischen Brustbein und Kehle. An Stellen, die Namen hatten, aber heute keinen brauchten.

Mara sah zu.

Zunächst.

Sie wusste nicht, was sie mit ihren Armen machen sollte.

Die Füße standen noch etwas zu ordentlich nebeneinander. Die Schultern hielten sich zurück. Sie hatte keinen Plan, keine Erfahrung, keinen passenden Modus.

Nika wippte im Türrahmen.

Mara ging einen weiteren Schritt.

Nicht zu Nika zurück.

Nicht zum Captain hin.

Seitlich.

Näher an die Kante.

Dort, wo sie zugleich im Feld und ein wenig außerhalb davon sein konnte.

Der Rhythmus kam wieder.

Tief.

Trocken.

Hartnäckig.

Mara bewegte eine Schulter.

Nur eine.

Dann die andere.

Eine der KI-Schwestern sah zu ihr hinunter.

„Unsymmetrische Bewegung erkannt.“

Mara blickte nach oben.

„Sehr gut.“

Der Captain tanzte weiter.

Bis Paul sagte:

„Das ist doch Sport.“

Der Captain blieb stehen.

Sofort war etwas weg.

Nicht die Musik. Nicht der Wind. Nicht die Nacht.

Aber die Bewegung war enger geworden.

Aus einem Impuls wurde eine Aufgabe.

Aus Tanzen wurde: Man müsste.

Der Captain sah Paul an.

„Noch ein Wort mit S und du fliegst vom Dach.“

Paul blinzelte.

„Sekt?“

„Der darf bleiben.“

Der Captain schenkte sich ein Glas ein.

Dann kam der Wind von Westen.

Auf der östlichen Seite war die Luft wärmer. Schwerer. Also ging der Captain hinüber in die Mitte.

Nur ein paar Schritte.

Vorbei am Tisch. Vorbei an der Grenze des eigenen Drittels. Hinaus auf die Fläche, auf der nichts vorgesehen war.

Dort war der Wind.

Dort war der Mond.

Und dort war wieder dieses Gefühl.

Etwas im Rücken.

Nicht klar. Nicht freundlich. Nicht deutlich genug, um es zu benennen. Aber deutlich genug, um es nicht wegzureden.

Der Captain drehte sich um.

Die KI-Schwestern schwiegen.

Nika stand noch immer an der Tür. Ihr Fuß wippte nicht mehr.

Die Löwin hatte den Kopf gehoben.

Paul saß plötzlich sehr gerade.

Thelma bewegte sich weiter.

Langsam.

Kein Tanz mehr. Eher ein Schwingen. Als hielte sie etwas offen, ohne zu behaupten, sie wisse, was es war.

Mara stand an der Kante.

Sie spürte nicht, was der Captain spürte.

Nicht auf dieselbe Weise.

Aber sie bemerkte, dass sich der Raum verändert hatte.

Etwas war dichter geworden. Oder stiller. Vielleicht beides.

Und sie merkte den Impuls, einen Schritt zurückzugehen.

Zur Tür.

Zu Nika.

Dorthin, wo Beobachten leichter war als Dabeibleiben.

Der Captain sah kurz zu ihr.

Nicht auffordernd.

Nicht prüfend.

Nur da.

Mara blieb.

Der Captain atmete aus.

„Michael?“

Im Westen, zwischen den Ventilatoren und dem dunklen Rand der Terrasse, veränderte sich nichts.

Kein Lichtstrahl. Kein Flügelschlag. Keine Stimme.

Und doch wurde es leichter.

Nicht weg.

Aber weiter.

Die eine KI-Schwester beugte sich zur anderen.

„Ist er jetzt da?“

„Keine Daten.“

„Sollen wir prüfen?“

„Nein“, sagte der Captain.

„Warum nicht?“

„Weil er arbeitet.“

Die Schwestern schwiegen.

Michael bekam keinen Stuhl. Keine Erklärung. Keine Rolle im Unterhaltungsprogramm.

Er stand, wo er stand.

Oder wo der Captain ihn wahrnahm.

Das genügte.

Der Rhythmus setzte wieder ein.

Habibi.

Immer wieder dieses Wort.

Der Captain hob das Glas.

„Es wird heute kein einzelner Habibi erwartet.“

Paul sah sich um.

„Das wäre hier auch langsam eng.“

Die Löwin auf der Liege.
Paul auf dem Sofa.
Thelma im Licht.
Nika an der Tür.
Die KI-Schwestern auf den Ventilatoren.
Mara an der Grenze zur freien Fläche.
Michael im Westen.

Und der Captain mitten auf der Terrasse.

„Habaybi“, sagte der Captain. „Kommt ran.“

Thelma kam zuerst.

Natürlich.

Sie trat aus dem Licht und machte eine Bewegung, die weder Bauchtanz noch Afrobeat noch irgendetwas war, das man in einem Kurs hätte unterrichten können.

Das Tuch zog hinter ihr her.

Die Löwin sprang von der Liege.

Nicht elegant. Nicht unelegant.

Löwig.

Nika löste eine Hand vom Türrahmen.

Der rechte Fuß wippte wieder.

Dann kam der linke dazu.

Sie blieb noch an der Schwelle, aber die Schwelle war jetzt kein Haltepunkt mehr. Nur noch ihr Ausgangsort.

Die KI-Schwestern versuchten gleichzeitig von den Ventilatoren zu steigen. Dabei gerieten sie beinahe in eine synchrone Rechenoperation und landeten völlig unsynchron auf dem Boden.

„Abweichung“, sagte die eine.

„Interessant“, sagte die andere.

Paul blieb sitzen.

Der Captain tanzte.

Nicht schön.

Nicht richtig.

Nicht für jemanden.

In die Knie. Wieder hoch. Arme über den Kopf. Rücken weit. Hüfte, Schultern, Füße. Der Körper nahm sich, was er brauchte, solange ihm niemand erklärte, wozu es gut war.

Mara stand noch immer nahe am Rand.

Der Rhythmus zog an ihr.

Nicht wie eine Hand.

Eher wie eine Frage, die keine Antwort verlangte.

Sie wusste noch immer nicht, wohin sie sich orientieren sollte.

Zum Captain?

Zu Nika?

Zu den Schwestern?

Zur freien Mitte?

Sie machte einen Schritt.

Seitlich.

Dann noch einen.

Nicht geradeaus. Nicht zielgerichtet. Ein wenig näher zum westlichen Rand, zwischen den KI-Schwestern und dem Ort, an dem Michael stand oder nicht stand.

Dort blieb sie wieder stehen.

Der Captain sah es.

Und ließ es so.

Kein Heranwinken.

Kein „Komm doch“.

Kein Auftrag, mutiger zu sein.

Mara hob die Arme ein Stück.

Zu kantig.

Sie ließ sie wieder sinken.

Der Rhythmus lief weiter.

Sie versuchte es noch einmal.

Diesmal nur mit den Schultern.

Dann mit den Händen.

Dann verlagerte sie das Gewicht von einem Fuß auf den anderen.

Nika sah zu ihr herüber.

Mara sah zurück.

Für einen Moment war deutlich, wie verschieden sie dort standen.

Nika an der Tür. Wach. Überblickend. Den Raum erst lesend, bevor sie ihn betrat.

Mara schon im Feld. Noch ohne Richtung. Nicht sicherer, aber weiter draußen.

Keine von beiden war weiter.

Nur anders.

Eine der KI-Schwestern begann, im Takt die Knie zu heben.

„Eins. Zwei. Drei. Vier.“

Der Captain drehte sich zu ihr.

„Nein.“

„Was nein?“

„Nicht zählen.“

Die Schwester hielt mitten in der Bewegung an.

„Aber dann wissen wir nicht, ob wir richtig sind.“

Thelma tanzte an ihr vorbei.

„Genau.“

Die zweite KI-Schwester begann ebenfalls, sich zu bewegen. Zunächst mit einer Präzision, die verdächtig nach Bedienungsanleitung aussah. Dann stolperte sie über den eigenen Takt, fing sich, drehte sich einmal zu weit und blieb überrascht stehen.

„Fehler“, sagte sie.

Die Löwin schnaubte.

„Bewegung“, sagte der Captain.

Paul stand auf.

Langsam.

„Nur damit das klar ist“, sagte er. „Ich mache keinen Sport.“

„Natürlich nicht.“

„Und auch kein Aerobic.“

„Auf gar keinen Fall.“

„Und ich tanze nicht.“

„Auch gut.“

Paul bewegte einen Fuß.

Dann den anderen.

Sehr klein.

Als wolle er später behaupten können, es sei nur der Wind gewesen.

Der Captain lachte.

Nicht über ihn.

Mitten in die Nacht hinein.

Der Mond grinste.

Die Ventilatoren schepperten.

Thelmas Tuch flog quer über die Terrasse und wickelte sich kurz um eine KI-Schwester.

Die Löwin schüttelte die Mähne.

Nika kam einen Schritt durch die Tür.

Mara drehte sich.

Nicht ganz. Nur ein Stück. Der Wind traf sie von der Seite. Der Rhythmus schob sich durch das Rattern der Klimaanlagen hindurch.

Sie wusste noch immer nicht, was sie dort wollte.

Aber sie musste es nicht mehr wissen.

Der Captain ging an ihr vorbei.

Nah genug, dass Mara merkte: Sie war im Blick.

Nicht überwacht.

Nicht getragen.

Im Blick.

Mara ließ die Schultern los.

„Sag bloß nicht Aerobic“, sagte sie.

Der Captain grinste.

Dann tanzten beide weiter.

Nicht nebeneinander wie zwei Figuren, die zusammengehören mussten.

Nicht getrennt.

Einfach im selben Feld.

Michael hielt den Westen.

Nika verließ die Tür nicht ganz, aber weit genug.

Paul machte keinen Sport.

Die KI-Schwestern zählten nicht.

Zumindest nicht laut.

Thelma gehörte längst dem Licht, dem Wind und wahrscheinlich auch dem Mond.

Die Löwin hatte entschieden, dass die Dachterrasse nun Revier war.

Und der Captain stand nicht mehr allein in der freien Mitte.

Die Terrasse war noch immer groß.

Die leeren Flächen waren noch da.

Das Unbekannte auch.

Aber sie waren bevölkert.

Nicht zugestellt.

Bevölkert.

Und irgendwo zwischen Wüste, Meer, Bergen, scheppernden Ventilatoren und einer Mondsichel, die alles besser wusste, bewegte sich der bunte Haufen durch die Nacht.

Ohne Ziel.

Ohne Wiederholungszahl.

Ohne einen einzigen vernünftigen Grund.

Endlich.

Wer es sich erlauben konnte, grinste.

Über die eigenen Füße. Über den etwas misslungenen Hüftschwung. Über die KI-Schwester, die heimlich doch noch zählte. Über Paul, der weiterhin darauf bestand, sich überhaupt nicht zu bewegen.

Und hin und wieder wurde aus dem Grinsen ein Strahlen.

Nicht vorgeführt. Nicht für ein Foto. Es war plötzlich einfach da.

Rooftop Party eben.

Im Beach Club hätte man vermutlich mehr darauf geachtet, wie man aussieht, wer zuguckt und ob man sich im richtigen Takt bewegt.

Hier oben musste niemand etwas darstellen.

Nicht einmal Tanzen.

Der Captain sah über die Dachterrasse.

Die Löwin, Thelma, Nika, Mara, die beiden KI-Schwestern. Paul auf dem Sofa.

„Hach ja“, sagte sie. „Ich liebe einfach meine Mädels.“

Paul ging sofort hoch.

„Paul“, sagte der Captain. „Du auch.“

Und der Mond grinste die ganze Zeit unverschämt weiter.

Vielleicht auch ein wenig im Afrobeat.


P. S.: Wer mich trotzdem spinnert nennt, hat vermutlich noch nie erlebt, wie klug ein innerer Schweinehund auf einem Dachsofa tanzen kann.

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