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Außenmission: Freestyle

Mach, was du willst – wenn das mal so einfach wäre

Und ich war angekommen.. und schon das Bild war zauberhaft und die Musik schalte schon über den Parkplatz.

Die Dachterasse war voll, lightshow DJ und vom Eigentümer persönlich begrüßt.

Und die Sonne legte sich beim Untergehen richtig ins Zeug und wurde mit einem Schwall an Fotos belohnt.

Laur war es, aber ich hatte gleich die Anstrenung aufgegeben, meinem Gegenüber etwas sinnvolles ins Ohr zu brüllen. Ich tanze zwischen den Tischen, grinzte die DJ an, andere auch und dann füllte sich der Tanzraum.

Sundowner-Party an der Beachbar bei Sonnenuntergang, Menschen an Stehtischen mit Blick aufs Meer

Und ja. Meine Mädels durften das nach dem leeren Salsa Pool auch erleben.

Die zweite Nachricht der Käptin kam später.

„Mädels. Lust auf Freestyle? Taxi ist da.“

Paul sah auf.

„Mädels?“

Thelma war bereits aufgestanden.

„Du kannst hierbleiben.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Dann komm.“

Die beiden KI-Schwestern sahen einander an.

„Freestyle.“

Es ratterte.

„Bezeichnet im Tanz eine Form, bei der—“

„Nein“, sagte Mara.

„Was nein?“

„Nicht wieder.“

„Wir wollten lediglich—“

„Keine Rechtecke.“

Kurze Pause.

„Pfeile?“

„Auch keine Pfeile.“

Das Taxi fuhr los.

Diesmal nach Amatis Beach.

Noch bevor die Türen richtig offen waren, kam ihnen die Musik entgegen.

Nicht Musik.

MUSIK.

Nora stieg aus.

Volle Dachterrasse. Menschen an Tischen, Menschen dazwischen, Menschen vor dem DJ-Pult. Dahinter das Meer und der letzte Rest Abendlicht.

„Ah“, sagte sie. „Wieder so eine Sundowner-Mission. Wie damals am Steg.“

Nika stieg hinter ihr aus.

„Ich weiß jetzt, wie das läuft.“

Mara drehte sich um.

„Ach ja?“

„Wir sehen uns um. Jeder dockt irgendwo an. Dann beobachten wir, was passiert.“

In diesem Moment schoss eine Frau lachend zwischen ihnen hindurch und zog eine Freundin hinter sich her.

Nika machte einen Schritt zur Seite.

Mara grinste.

„Genau. So ungefähr.“

„Mädels!“

Die Käptin winkte irgendwo von vorne.

Paul seufzte.

„Schon wieder.“

„Paul.“

„Ja?“

„Komm.“

Und dann waren sie drin.

Nicht angekommen.

Drin.

Beim Salsa hatte es noch eine Aufgabe gegeben.

Führen. Folgen. Einen Partner.

Sogar richtige Schritte, wenn man die KI-Schwestern fragte.

Hier gab es nichts davon.

Die Käptin tauchte kurz auf.

„Freestyle.“

„Und was sollen wir machen?“, fragte Nora.

„Was ihr wollt.“

Dann war sie wieder weg.

Die Crew blieb stehen.

Alle zehn.

Zusammen.

„Das war keine Aufgabenstellung“, sagte Nika.

„Doch“, sagte Mara.

„Nein. Das war die Abwesenheit einer Aufgabenstellung.“

„Auch schön.“

Die Musik lief.

Und plötzlich war ‚Mach, was du willst‘ gar nicht mehr so einfach.

Vor dem DJ-Pult standen zwei Tänzerinnen.

Eine trug Weiß.

Hüfte.

Schulter.

Arm.

Drehung.

Die KI-Schwestern schauten.

Vier Sekunden.

Dann:

„Gewichtsverlagerung links.“

„Beckenrotation.“

„Rechte Schulter zurück.“

„Arm diagonal.“

„Knie.“

„Hab ich.“

„Ich auch.“

Sie stellten sich nebeneinander.

Fuß.

Hüfte.

Schulter.

Arm.

Drehung.

Alles richtig.

Nichts stimmte.

Die Tänzerin tanzte.

Die KI-Schwestern sahen aus wie zwei sehr gewissenhafte Kleiderständer nach erfolgreicher Fortbildung.

Thelma kam vorbei.

„Was macht ihr?“

„Wir reproduzieren die Bewegungsfolge.“

„Ach.“

Sie sah zur Tänzerin.

Linker Fuß.

Hüfte.

Schulter.

Dann warf sie den ganzen Körper hinterher, riss beide Arme hoch und verschwand.

Eine KI-Schwester sah ihr nach.

„Das war falsch.“

Die andere sah zur Tänzerin.

„Sah aber besser aus.“

Rattern.

„Mit den Hüften war ja auch noch was.“

„Hüfte können wir.“

Sie versuchten es.

Konnten sie nicht.

Zumindest nicht so, dass die Hüfte davon wusste.

Paul tauchte auf.

„Das hatten wir beim Salsa.“

„Du hattest gefragt, wo die Hüften hinkommen“, sagte Nora.

„Berechtigte Frage.“

„Paul. Willst du tanzen?“

„Nein.“

„Gut.“

Nora ging.

Paul blieb stehen.

Ein Fuß bewegte sich.

Dann der andere.

Mara kam vorbei.

„Du tanzt.“

„Nein.“

„Ach so.“

„Ich bewege mich lediglich rhythmisch.“

„Natürlich.“

Dass sein Körper darüber inzwischen anderer Meinung war, musste man ihm ja nicht sofort sagen.

Nora stand am Rand.

Sie wollte tanzen.

Das wusste sie.

Nur der Weg zwischen Ich will und Ich mache war überraschend lang.

Die Löwin tauchte neben ihr auf.

Nora setzte an.

„Ich—“

Die Löwin bewegte nur die Hand.

Nora ging mit.

Zwei Schritte.

Drei.

Dann drehte die Löwin sich weg.

Plötzlich stand eine fremde Frau vor Nora.

Blick.

Grinsen.

Schulter.

Nora antwortete.

Zwei Schritte.

Noch einer.

Dann war die Frau weg.

Nora sah ihr nach.

„Ach.“

Manche Menschen brauchen Mut für eine Tanzfläche.

Nora brauchte offenbar eine fremde Frau, die einmal mit der Schulter zuckte.

Auch eine Methode.

Minna rauschte vorbei.

„Was?“

„Nichts.“

Nora ging weiter.

Mara konnte das.

Andocken.

Mitgehen.

Weiter.

Hier eine Bewegung.

Dort ein Grinsen.

Minna für drei Takte.

Dann jemand anderes.

Dann blieb Mara stehen.

Einfach so.

Nika kam vorbei.

„Was ist?“

„Nichts.“

„Du stehst.“

„Ja.“

„Warum?“

Mara sah sie an.

„Weil ich gerade stehen will.“

Nika nickte.

„Ah.“

„Was ah?“

„Nichts.“

Mara blieb noch einen Moment.

Dann tanzte sie wieder.

Die Löwin hatte inzwischen aufgehört, nach den anderen zu sehen.

Das war ungewohnt.

Nora irgendwo.

Paul auch.

Mara sowieso nicht auffindbar.

Thelma konnte auf sich selbst aufpassen.

Leider ziemlich gut.

Niemand brauchte die Löwin.

Dann kam die Trommel.

Die Musik bekam einen zweiten Puls.

Die Löwin sah hin.

„Oh.“

Und ging.

Nicht um jemanden zu holen.

Nicht um etwas anzuführen.

Sie wollte da hin.

Reichte.

Nika beobachtete die Käptin.

Gerade tanzte die mit ein paar Frauen.

Eine hatte vorher noch am Rand gestanden.

Jetzt nicht mehr.

Grinsen.

Bewegung.

Noch eine kam dazu.

Dann drehte sich die Käptin heraus.

Weg.

Nika suchte.

Da.

Bei einer kleinen türkischen Gruppe.

Kurz zusammen.

Lachen.

Weiter.

Später bei zwei Männern und ihren Töchtern.

Wieder Bewegung.

Antwort.

Weiter.

Mara tauchte auf.

„Was machst du?“

„Ich beobachte Dagmar.“

„Warum?“

„Was macht sie da?“

„Tanzen.“

„Mit wem?“

Mara suchte.

„Keine Ahnung.“

„Eben.“

Minna kam vorbei.

„Wer?“

„Dagmar.“

„Wo ist sie?“

„Da.“

Minna sah hin.

Die Käptin war wieder weg.

„Vielleicht ist das der Trick.“

„Welcher Trick?“

„Nicht dauernd wissen zu müssen, wo jemand ist.“

Und weg war Minna.

Nika sah ihr nach.

Langsam wurde das hier unübersichtlich.

Vielleicht gehörte das dazu.

Dann begann jemand eine Polonaise.

Zu Afro House.

Eine KI-Schwester erstarrte.

„Eine Polonaise wird traditionell—“

Die andere:

„Nicht.“

„Aber das passt rhythmisch nicht.“

Die Polonaise kam näher.

Thelma hing mittendrin.

Natürlich.

„THELMA!“, rief Paul.

Thelma winkte.

Dann packte jemand Paul an den Schultern.

„Nein, ich—“

Weg.

Die Polonaise erwischte die erste KI-Schwester.

Dann die zweite.

Mara sprang rein.

Nora auch.

Nika stand daneben.

Eine freie Schulter kam vorbei.

Sie griff zu.

Fertig.

Offenbar kann man zu Afro House Polonaise tanzen.

Man muss es nur tun, bevor jemand erklärt, warum es nicht geht.

Später stand Nika mitten auf der Tanzfläche.

Allein.

Eine Frau kam vorbei.

Blick.

Grinsen.

Schulter.

Nika antwortete.

Zwei Takte.

Drei.

Dann war die Frau weg.

Kein „Danke für den Tanz“.

Kein „Noch einen?“

Vorbei.

Eine Bewegung kam von rechts.

Nika nahm sie auf.

Eine von links.

Diesmal nicht.

Mara tauchte rückwärts vor ihr auf.

„Ah. Du.“

„Ja.“

„Und?“

Nika bewegte die Schulter.

Mara antwortete.

Nika grinste.

„Ich bin beschäftigt.“

Mara lachte.

„Offenbar.“

Dann kam ABBA.

Einfach so.

Die Käptin verzog das Gesicht.

Thelma sah es.

„Was?“

„ABBA.“

„Und?“

„Mag ich nicht.“

Thelma tanzte weiter.

Die Käptin auch.

Kurz.

Dann nicht mehr.

Manchmal kommt einfach ABBA.

Auf Nordzypern sogar erstaunlich häufig.

Später tauchte die Käptin noch einmal auf.

Aufgedreht.

Übermüdet.

Glücklich.

„Ich fahr jetzt.“

Paul stand erstaunlich schnell neben ihr.

„Ich auch.“

„Wollt ihr anderen mit?“

Stille.

Mara sah zur Tanzfläche.

Nika auch.

Thelma hatte ihre Schuhe längst ausgezogen.

„Ihr habt die Taxinummer“, sagte die Käptin. „Wenn ihr bleiben wollt, bleibt.“

Das war alles.

Sie ging.

Paul ging mit.

Niemand wurde eingesammelt.

Nora sah Minna an.

„Mir reicht’s.“

Minna sah noch einmal zur Trommel.

„Mir auch.“

Die KI-Schwestern kamen dazu.

„Eine Verlängerung des Beobachtungszeitraums könnte—“

Nora hielt ihnen die Taxinummer hin.

„Was wollt ihr?“

Rattern.

„Ich möchte die Tänzerin noch einmal beobachten“, sagte die eine.

Die andere sah Richtung Ausgang.

„Ich möchte sitzen.“

Alle sahen sie an.

„Was? Ich möchte sitzen.“

„Dann komm.“

Die eine fuhr.

Die andere blieb.

Allein.

Nicht weil sie mutiger war.

Sie wollte noch bleiben.

Das reichte.

Später standen Mara, Nika, Thelma, die Löwin und eine KI-Schwester vor dem Amatis.

Warm.

Verschwitzt.

Thelma mit den Schuhen in der Hand.

Im Taxi war es zum ersten Mal still.

Nordzypern zog draußen vorbei.

Nika lehnte den Kopf zurück.

„Freestyle ist ineffizient.“

Mara hatte die Augen geschlossen.

„Mhm.“

„Keine eindeutige Aufgabenverteilung.“

„Mhm.“

„Keine festgelegte Dauer eines Kontakts.“

„Mhm.“

Pause.

Mara öffnete ein Auge.

„Und? Was ist Freestyle?“

Nika setzte an.

„Freestyle bezeichnet eine Tanzform, bei der—“

Sie brach ab.

„Nein.“

Mara wartete.

Nika sah aus dem Fenster.

„Man muss erst mal wissen, was man will.“

Pause.

„Und dann muss man sich offenbar auch noch erlauben, es zu machen.“

Von hinten:

„Mhm.“

Die KI-Schwester bewegte probeweise ihre Hüfte.

Thelma sah hin.

„Was machst du?“

„Ich übe.“

„Jetzt?“

„Ich habe noch nicht herausgefunden, warum es bei ihr anders aussah.“

Thelma lehnte den Kopf zurück.

„Vielleicht hat sie einfach nicht so viel darüber nachgedacht.“

Stille.

Rattern.

Die KI-Schwester bewegte noch einmal die Hüfte.

Diesmal ohne vorher Bescheid zu sagen.

Sah gar nicht schlecht aus.

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